Ferdinand Sauerbruch – Genie und Chirurg

Ferdinand Sauerbruch war nicht nur Arzt, sondern auch Wissenschaftler. Er entwickelte ein Druckdifferenzverfahren, dass ein Zusammenfallen der Lunge beim Öffnen des Brustkorbes, verhinderte.
Ferdinand Sauerbruch wurde am 3. Juli 1875 in Barmen (Wuppertal) geboren. Nach dem Tod des Vaters 1877, wuchs er bei seinem Großvater in armseligen Verhältnissen auf.

In seinen Studienjahren durchlief er mehrere Stationen in Marburg, Jena und Göttingen. Durch die Führung des Handwerksbetriebes seines inzwischen verstorbenen Großvaters, durch seine Mutter und seine Schwester, konnten seine Studien finanziert werden.

Im Jahr 1901 promovierte er zum praktischen Arzt und nahm in den nächsten drei Jahren verschiedene allgemeinärztliche Tätigkeiten in Berlin, Kassel und Erfurt, auf.

1903 begann er seine Arbeit an der chirurgischen Universitätsklinik in Breslau, wo er sich auf die Chirurgie konzentrierte.

Ferdinand Sauerbruch war nicht nur Arzt, sondern auch Wissenschaftler. So betrieb er Grundlagenforschung für die Durchführbarkeit von Operationen im Brustkorb- und Lungenbereich. Er entwickelte ein Druckdifferenzverfahren, dass ein Zusammenfallen der Lunge beim Öffnen des Brustkorbes, verhinderte. Dieses neue Verfahren wurde von ihm, beim 33. Ärztekongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, im Jahre 1904 vorgestellt.

1905 legte er die Habilitation- die höchste akademische Prüfung – mit Erfolg ab. Diese Prüfung erfordert enormes Wissen und fachliche Leistung. In dieser Zeit war dies eine Grundvoraussetzung dafür, um zum Universitätsprofessor berufen zu werden.

Nach seiner Tätigkeit im Klinikum Greifswald wurde er Leiter der Poliklinik in Marburg und betrat das Forschungsfeld der Organtransplantation.

Ab dem Jahr 1910 arbeitete er als Professor und Direktor an der Züricher Universitätsklinik. Er gründete parallel dazu eine Privatklinik, dessen Verwaltung seine Ehefrau übernimmt.

Als 1914 der erste Weltkrieg ausbricht, meldet er sich freiwillig als beratender Chirurg.
1915 lässt er sich jedoch von seiner Freiwilligentätigkeit beurlauben und kehrt in die Schweiz zurück. Dort arbeitet er an der Entwicklung, der später nach ihm benannten „Sauerbruch-Hand“. Eine spezielle Prothese für kriegsgeschädigte Veteranen. Diese Prothese wurde unter Einbeziehung der Muskeln entwickelt und machte somit auch leichte Handbewegungen möglich.

Ab 1918 kehrte Ferdinand Sauerbruch aus der Schweiz nach Deutschland zurück, wo er dem Ruf der Münchner Universität folgte. Ein weiterer Meilenstein in der Prothesen-Chirurgie wurde von ihm getätigt. Die sogenannte „Umkipp-Plastik“ hielt Einzug.

Entstandene Knochendefekte im Oberschenkelknochen, z.B. durch eine Krebserkrankung, wurden dadurch gelöst, dass der Oberschenkel entfernt wurde und durch gesunde Knochensubstanz des Unterschenkelknochens ersetzt worden ist. Dem Unterschenkel wurde eine Prothese angepasst, wodurch die Mobilität des Patienten wieder hergestellt wurde.

1920 -1925 veröffentlichte er seine Werke „Chirurgie der Brustorgane“ und einen weiteren Teil seines Werkes „Die willkürlich bewegbare künstliche Hand“

Als 1933 Adolf Hitler die Macht ergreift, entscheidet sich Ferdinand Sauerbruch gegen die Emigration, obwohl er sich eher später, zu den Kritikern des Regimes entwickelte.

Durch seine herausragenden Kenntnisse im Bereich der Chirurgie konnte das 3. Reich auf seine Fähigkeiten nicht verzichten, obwohl Ferdinand Sauerbruch dem Regimegegnern, der sogenannten „Mittwochsgesellschaft“ Unterschlupf geboten hat und zunehmend Abstand zu dem Regime nahm.

Ab 1945 widmete Ferdinand Sauerbruch sich dem Deutschen Gesundheitswesen und dessen Wiederaufbau nach Kriegsende.

Am 3. Dezember 1949 setzt sich Ferdinand Sauerbruch zu Ruhe, kehrt aber nochmals auf Bitten einer Privatklinik zur Chirurgie zurück.

Kurz vor seinem Geburtstag, am 2. Juli 1951 stirbt Ferdinand Sauerbruch, nachdem er im gleichen Jahr sein Werk „das war mein Leben“ veröffentlicht hatte.

 

<< Karl Landsteiner (1868-1943) – Entdecker der BlutgruppenAlexander Fleming (1881-1955) – Der Entdecker des Penicillins >>