Karl Landsteiner (1868-1943) – Entdecker der Blutgruppen

Karl Landsteiner zählt zu den bedeutendsten Forschern der Medizingeschichte. Zu seinen herausragenden Leistungen gehören die Entdeckung des Systems der menschlichen Blutgruppen mit den drei Hauptgruppen A, B und O im Jahr 1901 und zusammen mit Alexander Wiener die Entdeckung des Rhesusfaktors im Jahr 1940. Für seine außerordentlichen Forschungsarbeiten wurde Landsteiner 1930 mit dem Nobelpreis der Medizin geehrt.
Karl Landsteiner wurde am 14.6.1868 in Baden bei Wien geboren. Nachdem sein Vater, ein bekannter Wirtschaftsjournalist, früh verstarb, wuchs Landsteiner bei seiner Mutter in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach der Matura studierte Landsteiner Medizin und promovierte 1891 in Wien. Seine wissenschaftliche Arbeit über den Einfluss von Diäten auf das Blutbild brachte dem jungen Mediziner erste Anerkennung ein.

Landsteiner arbeitete in verschiedenen Laboratorien in München, Würzburg und Zürich, wo er sich zusätzlich dem Chemiestudium widmete. Als Assistent am Hygienischen Institut in Wien untersuchte er die Grundlagen der Immunität und die Wirkungsweise der Antikörper.
Von 1898 bis 1908 arbeitete Landsteiner als Assistent in der pathologischen Abteilung der Universität Wien. In dieser Zeit publizierte er verschiedene medizinische Arbeiten. Dazu gehörten unter anderem die Übertragungswege der Poliomyelitis. Er erbrachte zusammen mit Erwin Popper den Nachweis, dass Poliomyelitis ansteckend und von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Damit schaffte er die Grundlagen zur Entwicklung eines Impfserums gegen diese Krankheit.
Sein Hauptaugenmerk galt jedoch den Bluttransfusionen und der wissenschaftlichen Erklärung, warum diese nicht in allen Fällen erfolgreich verliefen. Im Jahr 1901 schaffte er den Durchbruch und erkannte, dass es drei verschiedene Blutgruppen gibt und die Vermischung unterschiedlicher Blutgruppen die Agglutination (Verklumpen) des Blutes und damit den Tod zur Folge hat. 1909 gelang ihm die Unterscheidung der vier Blutgruppen A, B, AB und O. Mit der Entdeckung der Blutgruppen konnten nun auch Bluttransfusionen bei chirurgischen Eingriffen durchgeführt werden. Dieser Umstand rettete vielen Soldaten im Ersten Weltkrieg das Leben.
Im Jahr 1916 heiratete Landsteiner Leopoldine Helene. 1917 wurde sein Sohn Ernst Karl geboren. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ging Landsteiner wegen der desolaten wirtschaftlichen Situation mit seiner Familie nach Den Haag, wo er ein Katholisches Krankenhaus leitete. In dieser Zeit erforschte er unterschiedliche serologische Probleme und veröffentlichte seine Ergebnisse in mehreren wissenschaftlichen Publikationen.
1922 wurde Landsteiner an das Rockefeller-Institut von New York berufen. Hier setzte er zusammen mit dem Amerikaner Alexander Wiener seine Forschungsarbeiten zu den Blutgruppen fort. Gemeinsam entdeckten sie 1940 den Rhesusfaktor im Blut von Rhesusaffen.
Nachdem Landsteiner´s Frau an einem Schilddrüsen-Karzinom erkrankte, widmete er sich in seinen letzten Lebensjahren der Krebsforschung, um seiner Frau Helene helfen zu können.
Am 26.6.1943 verstarb Landsteiner im Alter von 75 Jahren in New York zwei Tage nach einem Schlaganfall, der ihn in seinem Labor ereilte. Im Dezember desselben Jahres verstarb auch seine Ehefrau an ihrem Kebsleiden.
Landsteiner legte mit seiner Bestimmung der Blutgruppen den Grundstein für die Durchführung erfolgreicher Bluttransfusionen, einer verbesserten Operationstechnik, für den Nachweis von Vaterschaften und in der Gerichtsmedizin für die Identifizierung von Blutflecken. Für seine herausragenden Leistungen in der Medizin wurde Landsteiner mit vielen hohen Auszeichnungen und Ehrendoktoraten an mehreren Universitäten sowie 1930 mit dem Nobelpreis der Medizin geehrt.

 

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