Was ist ein Bandscheibenvorfall (Prolaps)?

bandscheibenvorfall

Rückenschmerzen bis zur Unerträglichkeit und starke Einschränkungen – Bei einem Bandscheibenvorfall kann das akute Geschehen auch ohne erkennbare äußere Einflüsse, allmählich ausgelöst werden. In jedem Fall handelt es sich um eine Art „inneren Unfall“ – einen Prolaps – an der Wirbelsäule (Bandscheibe).

Definition

Ein Bandscheibenvorfall (Prolaps, ICD-10 Code M51.2) ist die plötzliche oder allmähliche Verlagerung der Bandscheibe in Richtung Rückenmark. Im Ergebnis drückt die als Puffer fungierende Scheibe auf Rückenmark und Nerven, verursacht Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit sowie Missempfindungen und weitere Symptome. Eine mildere Form oder Vorstufe des Bandscheibenvorfalls ist die Bandscheibenvorwölbung (Protrusion – Bandscheibenprotusion M51.2).

Begriffsbestimmung und Elemente eines Bandscheibenvorfall

Bei einem Bandscheibenvorfall liegt ein Defekt der „Stoßdämpfer“ vor, die zum einen für die Beweglichkeit der Wirbelsäule sorgen, zum anderen die Belastung zwischen den Wirbeln dämpfen. Die Bandscheiben bestehen aus dem gallertartigen Kern und der ihn umgebenden Faserhülle. Bei jungen Menschen mit ausgewogenem Wechsel zwischen Ruhe und Bewegung erhält der Körper das Gewebe auf natürliche Weise geschmeidig. Während tagsüber die Bandscheiben durch die Aktivitäten ihre natürliche Schmierflüssigkeit verlieren, füllen die Ruhephasen besonders in der Nacht den Vorrat wieder auf.

Ursachen für einen Bandscheibenvorfall

Warum passiert ein Bandscheibenprolaps?

Ein Bandscheibenvorfall resultiert aus einem Ungleichgewicht zwischen Belastung und Belastbarkeit. Eine unachtsame Drehung oder „falsches“ Heben können ebenso ein akutes Geschehen auslösen, wie verkrümmtes Sitzen und Fehlhaltungen in einem allmählichen Prozess den Vorfall forcieren. Oft hängt ein Bandscheibenvorfall mit der nachlassenden Regeneartion bei fortschreitendem Alter zusammen. Ältere Menschen tragen also ein größeres Risiko, weshalb Vorsicht und Vorbeugung besonders wichtig erscheinen.

Welche Risiken eine Rolle spielen

Bandscheibenvorfall – wer ist gefährdet?

Gewebeschwäche im betroffenen Bereich begünstigt einen Bandscheibenprolaps. Sie kann naturgegeben sein, tritt häufiger jedoch mit der schwindenden Regeneration des Gewebes ein, wenn der Mensch älter wird. Der Gallertkern der Bandscheiben büßt Elastizität ein bei gleichzeitigem sprödewerden der Faserhülle. Falsche Einschätzung der tatsächlichen Belastungsfähigkeit und daraus resultierendes schweres Heben oder dauerhaft überanstrengende Körperhaltungen spielen eine weitere Rolle. Bewegungsmangel durch sitzende Tätigkeit und fehlende sportliche Betätigung erhöhen das Risiko eines Bandscheibenvorfalls in hohem Maß.

Bandscheibenvorfall Symptome

Symptome – wenn der Schmerz kommt und bleibt

Bandscheibenvorfall – wo am häufigsten?

Bandscheibenvorfälle treten am häufigsten im unteren Rücken auf. Der gesamte Lendenwirbelbereich ist gefährdet, in den meisten Fällen ereignet sich ein Vorfall jedoch zwischen L 4 und L 5 sowie L 5 und S 1. Eher selten kommt es zum Bandscheibenprolaps im Halwirbel- oder Brustwirbelbereich; ganz auszuschließen ist es aber auch hier nicht.
Neben den Schmerzen, die vom Rücken bis in die Extremitäten ausstrahlen, kommt es zu Ausfällen bei der Reizweiterleitung der Nervenbahnen. Je nach betroffenem Wirbel sind das unterschiedliche Regionen. Durch Beeinträchtigung des L 5 beispielsweise leidet die Funktion des Fußhebermuskels. In schweren Fällen schleift der Fuß beim Gehen über den Boden.
Folgende Symptome sind exemplarisch:

  • » Rückenschmerzen oder Nackenschmerzen

  • » Fehlhaltung (lumbaler BV)

  • » Wirbelsäule seitlich geneigt (Skoliose)

  • » Verkrampfte Rückenmuskulatur, häufig reflexartig (Muskelblockade / Muskelhartspann)

  • » Klopfschmerz im Bereich der Wirbelsäule

  • » Verkrampfte Rückenmuskulatur

  • » Verharren in Schonhaltung

  • » Schmerzen können bis in die Arme oder Beine ausstrahlen

  • » Ausfälle bei der Reizweiterleitung der Nervenbahnen, kribbeln im Bein, Lähmungen im Bereich der Beinmuskulatur

  • » Zunahme der Schmerzen beim Husten, Pressen oder Niesen

 

Bandscheibenvorfall – wo tut es weh?

Das Auftreten der Symptome hängen unter anderem davon ab, an welcher Stelle der Bandscheibenvorfall auftritt.

Diagnose

Wie kann man einen Bandscheibenvorfall erkennen?

Bei einem Bandscheibenvorfall fehlen Reflexe der Patellar- und Achillessehne. Die Patienten verharren in einer deutlich wahrnehmbaren Schonhaltung, um dem Schmerz entgegenzuwirken. Eingeschränkte Beweglichkeit und Klopfschmerz in der Wirbelsäule ergänzen das Bild. Oftmals ist dem Patienten ein Fersen- bzw. Zehenstand nicht möglich. Zur Sicherung der Diagnose sollte durch Orthopädie oder Neurologie ein CT bzw. ein MRT veranlasst werden.

 

Bandscheibenvorfall – wer kann helfen?

Beim Verdacht auf einen Bandscheiben-Prolaps sollte ein Arzt oder eine Klinik aufgesucht werden. Nach einer ausführlichen Anamnese findet dort in der Regel eine neurologische Untersuchung statt, um zu lokalisieren wo eine Nervenwurzel gegebenenfalls eingeengt ist. Bei Bedarf wird außerdem ein bildgebendes, radiologisches Verfahren (Röntgen) eingesetzt. Mit Hilfe eines Röntgenbildes der Wirbelsäule kann der Arzt den genauen Ort einer Schädigung der Bandscheibe feststellen.

Therapien bei einem Bandscheibenvorfall

Wie kann man einen Bandscheibenvorfall behandeln?

Wird der akute Vorfall rechtzeitig erkannt, helfen oft therapeutische Maßnahmen. Dazu zählen Schmerzmittel, Muskelrelaxantien, lokalanästhetische Injektionen und Physiotherapie. Für eine gewisse Zeit sollte der von einem Bandscheibenvorfall Betroffene im Stufenbett gelagert werden. Bei ernsteren Fällen oder wenn die grundlegenden Behandlungen nicht wirken, bleibt nur eine Operation. Meist tragen die Chirurgen durch Mikroeingriffe Gewebe ab, entfernen die Bandscheibe oder lösen sie mithilfe eines Enzyms auf.

Unter bestimmten Bedingungen kann nach einem Bandscheibenvorfall eine operative Behandlung in Betracht gezogen werden. Bei einer solchen OP wird meist Bandscheibengewebe entfernt, um betroffene Nerven zu entlasten. Die Vorteile einer Bandscheibenoperation liegen darin, dass die Beschwerden des Patienten längerfristig beseitigt werden. Diese Art von Operationen sind jedoch auch riskant und werden von Medizinern daher meist nur als letztes Mittel empfohlen.