Willem Einthoven (1860-1927) – Entwickler des EKG

Heute gehört das Elektrokardiogramm (EKG) schon fast zum Standard in jeder Arztpraxis und ist für die Kardiologie unverzichtbar geworden. Doch wer hat das EKG erfunden? Bereits im Jahr 1887 wurden Herzstromkurven registriert und aufgezeichnet – doch Dank der sich systematischen Arbeit von Willem Eindhoven konnte sich die standardisierte Methode durchsetzen, die heute als EKG weltweit eingesetzt wird.

EKG

Willem Einthoven, wurde am 21. Mai 1860 in Semarang einer Hafenstadt auf Java (heute Indonesien), als ältester Sohn von insgesamt sechs Kindern geboren. Sein Vater war auf Java (damals Niederländisch-Indian) Militärarzt. Als im Jahr 1870 der Vater verstarb, ging die Familie zurück in die Niederlande. Im Jahr 1878, nach Abschluss der Oberschule, begann Willem Einthoven ein Medizinstudium an der Universität in Utrecht. Dieses Studium beendete er im Jahr 1885 erfolgreich mit dem Titel eines Doktors. An der Universität von Leiden, erhielt Einthoven noch im selben Jahr eine Professorenstelle für Histologie und Physiologie. Aus einer im Jahr 1886 geschlossenen Ehe mit Frédérique Jeanne Louise des Vogel, gingen insgesamt vier Kinder hervor.

Obwohl Willem Einthoven der Entwickler des EKG ist, hatte aber schon erstmals im Jahr 1887 ein Londoner Physiologe namens Augustus Désiré Waller (1856-1922), mit Hilfe eines Kapillarelektrometers Herzstromkurven registriert und aufgezeichnet. Waller konnte aber noch keine Rückschlüsse auf dessen Bedeutung in der späteren Medizin ziehen. Erst als Willem Einthoven dieses Experiment mit dem Kapillarelektrometer im Jahr 1895 wiederholte, konnte er in den nächsten Jahren eine standardisierte Methode zum Aufzeichnen von Herzaktionsstromkurven entwickeln, welche er dann Elektrokardiogramm (EKG) nannte. Ende 1895, veröffentlichte Einthoven seine Entdeckung in einem Artikel und beschrieb somit die Registrierung und Aufzeichnung der menschlichen Herzaktionen. In dem Kurvenbild vom EKG, konnten vier Zacken registriert werden, die Willem Einthoven als A, B, C und D bezeichnete. Er bemerkte aber, dass die Quecksilbersäule des Elektrometers durch ihre Trägheit das Messergebnis verfälschte und somit musste er den tatsächlichen Verlauf der Kurve mathematisch errechnen. Die so errechneten elektrischen Potentialschwankungen, benannte er mit den Buchstaben P, Q, R, S und T, genauso wie sie auch heute noch aktuell sind.

1901 entwickelte Einthoven das Saitengalvanometer, mit dessen Hilfe er später in der Lage war, die äußerst geringen elektrischen Signalgrößen im Millivolt-Bereich eines EKGs noch besser zu verarbeiten. Mit dieser deutlichen Verbesserung der Mess- und Anzeigetechnik, wurde ein gewaltiger Grundstein für die Kardiologie gelegt.
So erforschte Willem Einthoven ab 1903 in mehr als 5.000 EKGs, systematisch alle elektrischen Herzaktivitäten von Menschen und Tieren. So wie er schon damals die Extremitätenableitung einführte(Elektroden am rechten und linken Arm und am linken Bein), so wird sie auch heute noch angewandt.
Im Jahr 1907, stellte er sein erstes Gerät zur Messung von Herzstromaktivitäten der Öffentlichkeit vor. Das Gerät registrierte alle abgeleiteten Herzaktionsstromkurven auf einer fotografischen Platte, die sich mit 25 mm pro Sekunde fortbewegte.
Die ersten von Einthoven entwickelten Elektrokardiographen, waren natürlich noch riesige, schwere Maschinen und Aggregate und es waren mehrere Menschen erforderlich um diese zu transportieren und bedienen. So dauerte es noch sehr lange, bis das EKG als diagnostische Standardmethode in Kliniken akzeptiert wurde, doch mit der Entwicklung von Röhren- und Verstärkertechnik in den 1920iger Jahren, entstanden schon die ersten fahrbaren Elektrokardiographen und 1930 so gar schon der erste tragbare. Zur Langzeit-EKG-Registrierung und Patientenüberwachung, begann man mit entsprechenden Geräten in den 1950iger Jahren.

Neben der Entwicklung des EKGs, beschäftigte sich Willem Einthoven noch zusätzlich mit der Aufnahme und Auswertung von menschlichen Herztönen, wozu er auch 1907 einen Artikel über die Registrierung der menschlichen Herztöne mit Hilfe des Saitengalvanometer veröffentlichte.
Heute gehört das EKG Dank Willem Eindhoven schon fast zum Standard in jeder Arztpraxis und ist für die Kardiologie unverzichtbar geworden.

 

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