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Arteriosklerose - Ein schleichender Prozess mit akuten Folgen

Die Arteriosklerose wird umgangssprachlich auch Arterienverkalkung genannt und ist eine systemische Erkrankung der Schlagadern, bei der es zu Ablagerungen von verschiedenen Stoffen, u.a. auch Kalk, an den Gefäßwänden kommt. Dieser schleichende Prozess verläuft in den ersten Jahren symptomlos, bevor er sich dann in einer akuten Manifestation zeigt. Die Folgen können von der Ischämie bis zum plötzlichen Herztod dramatisch ausfallen.

Eine Zivilisationskrankheit breitet sich aus

Die Arteriosklerose gilt als so genannte Zivilisationskrankheit. Gemeint ist damit der Umstand, dass diese Krankheit vermehrt in den westlichen Industrienationen vorkommt und in weniger entwickelten Gebieten der Erde fast gänzlich unbekannt ist. Als Risikofaktoren für die Entstehung von Arteriosklerose gelten heute Übergewicht, Rauchen, Stress, kalorienreiche und fettreiche Ernährung, hoher Cholesterinwert, Bluthochdruck und Diabetes mellitus. Also Faktoren, die vor allem Menschen in modernen Gesellschaften prägen und krank machen. Gerade der Cholesterinwert wurde in der Vergangenheit immer wieder für die krankhafte Veränderung der Blutgefäßwände verantwortlich gemacht. Begründet ist diese Vorreiterrolle innerhalb der Gruppe der Risikofaktoren, durch die geringen Fällen von Arteriosklerose im Mittelmeerraum. Analysen der typischen Mittelmeerernährung ergaben schließlich deutlich geringere Konzentrationen von Cholesterin im Blut der dortigen Menschen. Ein kausaler Zusammenhang zwischen einem hohen Cholesterinwert und einem Auftreten der Arterienerkrankung lag daher sehr nahe und hat sich schnell etabliert. Allerdings hält dieser Verdacht keiner wissenschaftlichen Untersuchung stand und musste zumindest teilweise revidiert werden. Und überhaupt scheint die Arteriosklerose ein Anlaufpunkt für wenig untersuchte Spekulationen zu sein. Ein weiteres Beispiel dafür ist das Rauchen als Risikofaktor. Auch wenn der Zusammenhang zwischen dem Rauchen und der Entstehung der Arteriosklerose vielfach belegt wurde, der genaue zugrunde liegende Mechanismus wurde bislang nicht aufgeklärt.

In den westlichen Industriestaaten bildet die Arteriosklerose zusammen mit ihren Folgeerkrankungen die häufigste Todesursache. Die Erforschung der Gefäßerkrankung hat in den vergangenen Jahren einige Medikamente hervorgebracht, die eine zunehmende “Verkalkung” der Arterien verlangsamen oder eine Thrombusbildung verhindern sollen. Bisher ist der wirksamste Schutz allerdings die Prävention durch die Vermeidung von Risikofaktoren.

Der Entstehungsmechanismus von Arteriosklerose

Der Aufbau der Arterien, die sauerstoffreiches Blut transportieren, besteht aus drei Schichten. Die äußere Schicht (Adventitia) bildet einen strukturellen Schutzmantel als Abschirmung gegen das Bindegewebe. Die mittlere Schicht, die Media, besteht überwiegend aus Muskelfasern und stellt somit die funktionelle Schicht. Die Muskelfasern regulieren z.B. die Weit- oder Engstellung der einzelnen Blutgefäße und übernehmen so eine wichtige Aufgabe bei der Blut- und Sauerstoffversorgung. Die innere Schicht (Intima) ist die Kontaktschicht für den Blutstrom. Auf ihrer Oberfläche befinden sich Endothelzellen, die bei der Bildung der Plaques eine entscheidende Rolle spielen. Für die Entstehung der Arteriosklerose gibt es bisher keine wissenschaftlich abgesicherte Erklärung. Dafür wurden mehrere konkurrierende Theorien aufgestellt, in die einige gut untersuchte Annahmen eingeflossen sind. Als relativ gesichert gilt eine Schädigung der Endothelzellen als ein auslösender Faktor innerhalb des multifaktoriellen Entstehungsmechanismus. Die Gründe für diese Vorschädigungen sind dagegen noch umstritten. Klar ist aber, dass die Endothelzellen einem natürlichen Alterungsprozess unterliegen und im Laufe der Jahre natürliche Schädigungen durch den Blutdruck und den Verwirbelungen des Blutstroms erleiden.

Die Endothelzellenschäden in der Intima lösen wahrscheinlich einen Wachstumsreiz für die Muskelfasern der Media aus. Diese fangen dann an zu wuchern und migrieren in die Intima. Gleichzeitig verursacht eine vermehrte Fetteinlagerung die Bildung von so genannten Schaumzellen. Deren genauer Entstehungsmechanismus ist bisher nicht aufgeklärt worden. Wichtige Faktoren scheinen nach vielfältigen Beobachtungen aber Makrophagen und oxidiertes LDL (Low Density Lipoprotein) zu sein. Die Migration der Muskelzellen und die Bildung von Schaumzellen führen über einen längeren Zeitraum zu den arteriosklerotischen Gefäßveränderungen, die häufig als Plaques bezeichnet werden.

Die Rolle von Cholesterin

Ein hoher Cholesterinspiegel erhöht das Risiko an einer der zahlreichen Arteriosklerose-Folgeerscheinungen zu erkranken oder gar zu sterben. Dieser Zusammenhang existiert etwa seit den 1970er Jahren und wird von vielen Seiten aufrechterhalten. Immer wieder werden zahlreiche Untersuchungen angeführt, in denen Cholesterin zweifelsfrei mit gesteigertem Infarkt- und Schlaganfall-Risiko in Verbindung gebracht wird. Überraschenderweise lässt sich daraus aber kein Umkehrschluss konstruieren. Das Leben von Infarkt- und Schlaganfall-Risikopatienten lässt sich durch Medikamentierung zur Senkung des Cholesterinspiegels nicht nachweislich verlängern. In vielen Fällen waren die Nebenwirkungen der Fettsenker (vergl. Lipobay) deutlich ausgeprägter, als die lebensverlängernde Wirkung. Weitere Untersuchungen ergaben zudem sogar eine positive Wirkung von hohen Cholesterinkonzentrationen im Alter. Ab einem Alter von 65 bis 70 Jahren scheint der Cholesteringehalt im Blut eher Vorteile als Nachteile zu besitzen. Cholesterin ist ein grundsätzlich lebenswichtiger Stoff. Er sorgt für stabile und wasserundurchlässige Zellwände und bildet den Grundbaustein für viele andere wichtige Stoffe wie Vitamin D, Testosteron, Östrogen oder Kortisol. Der Körper ist in der Lage Cholesterin selbst zu bilden und kann eine hohe Zufuhr von außen durch eine verringerte Bildungstätigkeit regulieren. Bei gesunden Menschen schwankt der natürliche Cholesterinspiegel daher auch nur geringfügig.

Welche Rolle das Cholesterin bei der multifaktoriellen Entstehung von Arteriosklerose wirklich einnimmt, sollte der Untersuchungsgegenstand weitergehender wissenschaftlicher Forschungen sein. Überdauernde Spekulationen sind kaum dazu geeignet die Todesursache Nummer 1 zu entschärfen.

(1) Katerndahl DA, Lawler WR: Variability in meta-analytic results concerning the value of cholesterol reduction in coronary heart disease: a meta-meta-analysis. American Journal of Epidemiology 1999;149:429-441
(2) Weverling-Rijnsburger AW, Blauw GJ, Lagaay AM, et al: Total cholesterol and risk of mortality in the oldest old. Lancet 1997;350:1119-1123

06.07.2008 von FH


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