Osteopathie

Osteopathie - die selbstregulierenden Kräfte der Natur
Begründet wurde die Osteopathie in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch den amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still. In den Mittelpunkt der Osteopathie stellte er die selbstregulierenden Kräfte der Natur und formulierte vier Grundprinzipien.
- Der menschliche Körper funktioniert als Einheit.
- Der Körper verfügt über selbstheilende Mechanismen.
- Struktur und Funktion stehen in Wechselbeziehung zueinander.
- Abnormer Druck oder Spannung in einem Teil des Körpers produzieren abnormen Druck oder Spannungsphänomene in einem anderen Teil des Körpers.
Beobachtungen haben gezeigt, dass bei Erkrankungen auch das betroffene Gewebe, z. B. bei einer Lungenentzündung die Lungenbeweglichkeit erheblich eingeschränkt ist. Ziel der Osteopathie ist es die Beweglichkeit wieder herzustellen. Die Selbstheilungskräfte werden durch eine verbesserte arterielle Durchblutung gefördert und gleichzeitig verbessert sich auch der venöse und lymphatische Abtransport.
Techniken der Osteopathie
Die "osteopathische Dysfunktion/Läsion" ist ein wichtiger Begriff der Osteopathie. Durch Abtasten mit den Händen wird die Bewegungseinschränkung des Gewebes lokalisiert, auch Einschränkungen die mit der Wirbelsäule beziehungsweise mit den Gelenken nichts zu tun haben. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Dysfunktionen.
Primäre Dysfunktionen entstehen als Schutz gegen eine drohende Schädigung an dieser Stelle und führen zu einer Bewegungseinschränkung. Sekundäre Dysfunktionen liegen bei einer Anpassung an eine bereits vorliegende Einschränkung vor. Mit Hilfe von differenzierten Techniken werden Dysfunktionen gelöst. In der Osteopathie werden unterschiedliche funktionelle Systeme mit jeweils speziellen Behandlungstechniken unterschieden:
Beim parietalen System werden die Strukturen des Bewegungsapparates unter Ausnutzung der langen Hebelwirkung mit indirekten Manipulations- oder Mobilisationstechniken behandelt. Das vizerale System behandelt die inneren Organe und zielt darauf ab, durch passive Bewegung des Zwerchfells in kraniokaudaler Richtung die Mobilität der im Brust - Bauchraum gelegenen Organe zu fördern. Durch diese Förderung der Organbewegungen werden auch die Verbindungen zu den Blut- und Lymphgefäßen harmonisiert und die Bewegung des Blutes in den Gefäßen gefördert. Mit dem kraniosakralen Rhythmus arbeitet man beim kraniosakralen System. Das bedeutet, der Therapeut ertastet an den Schädelknochen den individuellen Rhythmus des Patienten. Durch sehr sanfte, spezielle Drucktechniken wird dieser Rhythmus unterstützt und in seinem Fluss vollendet. Es werden sanft Blockierungen gelöst und die natürliche Fähigkeit zur Selbstheilung verbessert.
Osteopathie heute
In der Alternativmedizin ist die Osteopathie in Deutschland eine verhältnismäßig junge Therapie. In den fünfziger Jahren praktizierten nur wenige Heilpraktiker diese Technik, die sie im Ausland erlernt hatten. Eine Verbreitung begann erst Ende 1980 in Deutschland. Französische und belgische Unternehmen gründeten deutsche Osteopathie - Schulen. Überwiegend erlernten Physiotherapeuten, Heilpraktiker, Ärzte und Masseure die osteopathische Heilkunst als Zusatzausbildung. Mit der Gründung des Verbandes der Osteopathen Deutschland 1994 hat sich vieles zum Positiven geändert. Die Anwendung von osteopathischen Therapien findet in der Alternativmedizin immer mehr Anwendung, da die Nachfrage gestiegen ist. Eine eigenständige, staatlich anerkannte Berufsbezeichnung gibt es noch nicht. Nur ausgebildete Ärzte und Heilpraktiker dürfen diese Therapie anwenden oder sie überweisen zum ausgebildeten Osteopathen. Osteopathie gilt in Deutschland als Medizin. Weit verbreitet ist die Osteopathie in der Tiermedizin, überwiegend wird diese an Pferden praktiziert.
FR / Redaktion 1.8.2009
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