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Trendwende bei der Auswanderung von Ärzten

Dubai verliert an Anziehungskraft, Österreich und die Schweiz werden bei auswanderungswilligen Ärzten immer beliebter - Australien sucht traditionell nach medizinischem Personal - Die Entstehung von Mega-Krankenhäusern in Russland

Dubai - das arabische Emirat der Faszination, beherrscht von Prunk und Glamour, die Welt-Hauptstadt der Superlativen. Auch für viele Ärzte aus Deutschland war und ist dieser Magnet wie ein Mythos, fast allen auswanderungswilligen Mediziner erschien diese Stadt wie das einzigartige Paradies. Aber: viele, die dort tätig waren oder sind, haben inzwischen auch die Kehrseite der goldenen Medaille kennen gelernt: menschenunwürdige "Sklavenhaltung", Ignoranz jeglicher Gerichtsbarkeit und Arroganz ohne Grenzen. Für viele deutsche Ärzte ist aus dem "Märchen aus 1001 Nacht" ein Albtraum geworden. Die Schweiz und Österreich, aber auch Australien und Neuseeland gewinnen für deutsche Ärzte spürbar an Anziehungskraft.

Ein Facharzt aus Frankfurt hatte bei einem Krankenhaus in Dubai einen Arbeitsvertrag unterschrieben und deshalb sein Haus verkauft, um mit seiner Familie nach Dubai zu ziehen, wohl wissend daß die horrenden Mietkosten ein Jahr im voraus zu zahlen sind. Kurz vor seinem Arbeitsbeginn besuchte er die dortige Gesundheitsbehörde, um den vorgeschriebenen Test zu machen. Ergebnis: "durchgefallen". Trotz Arbeitsvertrags erhielt er keine Lizenz und pendelt seither als "Locum" (visiting doctor) von Dubai nach England. Ein anderer Kollege erhielt für den Zeitraum von vier Monaten kein Gehalt, wollte deshalb kündigen und zurück nach Deutschland. Sein Problem: bei Arbeitsbeginn musste er seinen Reisepass abgeben und kann deshalb nicht ausreisen. Die arabische Justiz berücksichtigt vornehmlich die Rechte der Arbeitgeber, Arbeitnehmer sind immer im Unrecht.

Roland Herbert, Inhaber der auf Ärzte spezialisierten Peronalberatung und Vermittlungsagentur Universitas im bayerischen Eggenfelden, hat im Laufe seines langjährigen Engagements in der "arabischen Welt" nicht nur positive Erfahrungen gesammelt. Aufgrund der perfekten PR-Kampagnen von Dubai wollen 95 Prozent der Arabien-orientierten Ärzte exakt in dieses Emirat - nicht nur die Deutschen, auch die Engländer, Franzosen u.v.a.m. Die Konsequenz daraus: eine völlige Übersättigung des Marktes, die dazu führt, dass die Krankenhaus-Chefs mit den medizinischen Kandidaten handeln wie auf einem Bazar, besonders wenn es um die Gehälter geht.

Bedenklich sei auch die Tatsache, dass sich einige Personalberatungen in Deutschland mit der Unwissenheit der Ärzte eine "goldene Nase" verdienen. Bei sündhaft teuren Seminaren werden die Vorteile und -züge wie die Steuerfreiheit, Sonne und Meer etc. wie Hymnen gepredigt. Die Nachteile wie die zwischenzeitlich erfolgte Abschaffung des Doppelbesteurungsabkommens oder die Arbeitszeiten (sechs Tage pro Woche) werden ignoriert. Auch jenen Ärzten, die dort eine eigene Praxis eröffnen möchten, werden paradiesische Zustände versprochen - verschwiegen wird jedoch, dass diese Ärzte einen sogenannten "local Sponsor" brauchen, der monatlich ca. die Hälfte des Einkommens verlangt - und zwar gesetzlich abgesichert.

Dubai verliert auch deshalb an Popularität, weil das Management in vielen Krankenhäusern katastrophal funktioniert. Die lapidare Begründung für die vielfältigen Schlampereien lautet oftmals: "Ihr Europäer habt Uhren, wir haben die Zeit". Schlecht ausbildete Ärzte und Verwaltungsleute aus den Philippinen, Pakistan oder Ägypten prüfen bei Bewerbungsgesprächen mit deutschen Weltklasse-Ärzten deren Qualifikation und entscheiden über die Engagements. Ein Krankenhaus investierte kürzlich horrende Summen für eine neue Diagnostik, aber niemand im Haus konnte damit umgehen. Ein Professor, der für drei Tage für Operationen nach Saudi-Arabien reisen sollte, erhielt beim Einchecken am Flughafen die Mitteilung, daß er nach Yemen fliegen müsse. Die meisten Kliniken haben diese Miseren erkannt und ziehen die Konsequenzen. Ein Teil der arabischen Krankenhäuser wird zwischenzeitlich von westeuropäischen oder amerikanischen Konzernen gemanagt.

Willkommene Alternativen für auswanderungswillige Ärzte sind zwischenzeitlich die Schweiz und Österreich, wo sich ein beachtlicher Ärztemangel abzeichnet. In beiden Ländern liegen die Gehälter in aller Regel höher als in Deutschland, mitunter werden auch 14 Monatsgehälter gezahlt. Ähnlich wie hierzulande gibt es auch zu wenige Praxen für Allgemeinmedizin, und diese Chance hat sich bei vielen deutschen Hausärzten bereits herumgesprochen. In Österreich fehlen heute laut Bundesärztekammer mehr als 1 000 Ärzte. In beiden Ländern stehen Reformen des Gesundheitswesens an, die jedoch erst langfristig greifen werden. Laut der Personalberatung Universitas, die Ärzte an renommierte Krankenhäuser in der Schweiz und in Österreich sowie in den Ländern des Mittleren bzw. Nahen Osten berät und vermittelt, werden Radiologen, Neurologen, Internisten, Chirurgen, Urologen, Anästhesisten, Orthopäden, Dermatologen u.v.a.m. gesucht.

Schon traditionell ist der Mangel an Ärzten in Australien und Neuseeland. Während die australische Ostküste mit den großen Städten gut versorgt ist, leidet die Bevölkerung in den anderen Teilen unter einer absolut unzureichenden Versorgung, auch bei den Allgemeinärzten sowie bei Psychiatern, Psychotherapeuten etc. Um die Engpässe in den ländlichen Regionen zu reduzieren, erhalten seit kurzem selbständige Allgemeinärzte finanzielle Unterstützung seitens der Provinzregierungen. Trotz massiver Bürokratie wie dem IELTS-Test (Sprachtest) werden Australien und Neuseeland gerade für junge Mediziner zunehmend attraktiver - aus allen relevanten Fachgebieten. Denn: die Arbeitsbedingungen sowie die Verdienst- und Karriereperspektiven sind "überdurchschnittlich attraktiv", stellte kürzlich das australische Gesundheitsministerium fest.

Ein ganz anderes Szenario zeichnet sich in Russland ab, wo immer mehr Millionäre registriert werden. Reisten früher die "betuchten" Russen noch ins Ausland, um sich operieren zu lassen, bleiben sie heute möglichst im Lande. Denn: inzwischen wird heute auch in Moskau Weltklasse-Medizin angeboten. Roman Abramovich, einer reichsten Männer der Welt, baute im Nordosten Moskaus eine hoch-moderne Kliniken für 80 Patienten. Der Kostenaufwand belief sich auf mehr als 150 Mio Euro. Eine Stunde Untersuchung kostet 10 000 US Dollar, die Suiten (Krankenzimmer) sind in aller Regel 750 Quadratmeter groß.

Interessant ist auch ein anderer Trend: die Amerikaner haben die Konsequenz aus ihrem sündhaften teuren Gesundheitswesen gezogen und bauen in verstärktem Maße Privatkliniken in Moskau, St. Petersburg etc., nicht für die Russen, sondern auch für ihre Landsleute, was in Zukunft auch Länder wie Thailand oder Indien spüren werden, die bisher bei den US-Patienten sehr beliebt waren. Auch die Mexikaner haben aufgrund der Kosten-Situation in den USA reagiert. Besonders im Norden des Landes werden hoch-moderne Krankenhäuser gebaut, wo die Amerikaner nur einen Teil der bei ihnen üblichen Kosten zu zahlen haben. Auch viele private Krankenhäuser in der Karibik machen mit neuen und zukunftsorientierten Bauprojekten Schlagzeilen.

Quelle: Roland Herbert Weitere Informationen, auch zu Roland Herbert / Personalberatung Universitas D - 84307 Eggenfelden Mühlweg 4 1/2 universitas-int@web.de

15.09.2008 von Roland Herbert


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