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Herzrhythmusstörungen: Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Herzrhythmusstörungen

Als Herzrhythmusstörung bezeichnet der Mediziner eine Unregelmäßigkeit des normalen Herzschlags. Das Herz schlägt zu langsam, zu schnell oder einfach nur unregelmäßig. Die Gründe dafür sind ebenso unterschiedlich wie die gesundheitlichen Auswirkungen. Neben dem wohlstandsbedingten Volksleiden der koronaren Herzkrankheit (KHK) kann u.a. auch der Konsum von Genussmitteln wie Kaffee, Alkohol oder Nikotin zu einer Herzrhythmusstörung führen. Grundsätzlich kann jeder herzschädigende Einfluss als Ursache angenommen werden. Die Auswirkungen schwanken dabei je nach Art der Störung zwischen völlig harmlos und lebensbedrohlich.

Was genau ist eine Herzrhythmusstörung?

Herzrhythmusstoerungen Als Herzrhythmusstörung werden alle Störungen bezeichnet, bei denen die Frequenz des Herzschlags dauerhaft vom Normbereich abweicht. Das Herz eines gesunden Durchschnittsmenschen schlägt im Ruhezustand zwischen 60- bis 80-mal pro Minute. Wird dieser Wert unterschritten, schlägt das Herz zu langsam und man spricht von einer Bradykardie. Schlägt das Herz dagegen mehr als 80-mal pro Minute, schlägt es zu schnell. Diese Störung wird als Tachykardie bezeichnet. Die dritte Gruppe der Herzrhythmusstörungen bilden die Arrhythmien. Sie zeigen sich im Elektrokardiogramm (EKG) entweder als fehlende oder als zusätzliche Schläge im Grundrhythmus.

Gründe für die Entstehung

Herzrhythmusstörungen können je nach Art als Zeichen für eine organische Erkrankung gedeutet werden, kommen aber auch bei gesunden Menschen vor. Stress, Nervosität, Anstrengung und ein hoher Koffeinkonsum können beispielsweise zu temporären Herzrhythmusstörungen führen. Sie sind in aller Regel nicht von dauerhafter Natur und werden in diesen Fällen nicht als Erkrankung angesehen. Liegt dagegen eine organische Erkrankung als Ursache zugrunde, ist eine ärztliche Behandlung unbedingt notwendig. Als verursachende organische Erkrankungen gelten:

  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis)
  • Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathien)
  • krankhafte Veränderungen der Herzklappen
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Blutarmut (Anämie)
  • Fehlfunktionen der Schilddrüse, Überfunktion (Hyperthyreose), Unterfunktion (Hypothyreose)
  • Erkrankungen der Lunge wie z.B. Asthma bronchiale oder chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
Zudem kommen einige angeborene Fehler im Bereich der Herzklappe als Ursache in Betracht. Angeboren kann auch eine Fehlleitung in den Erregungsbahnen des Herzens sein. Beim so genannten Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW) bildet sich eine Verbindung zwischen den Vorhöfen und den Kammern unter Umgehung des AV-Knotens, der normalerweise die Erregung vom Sinusknoten an die Herzkammern weiterleitet. Die krankhafte Verbindung führt zu einer Art Kurzschluss, der eine Tachykardie auslöst.

In einigen Fällen wird eine Herzrhythmusstörung auch als Nebenwirkung von Medikamenten ausgelöst. Hier kommen vor allem Antidepressiva, Katecholamine und Asthmamittel in Frage. Nicht selten ist auch eine mit zunehmenden Alter auftretende Übererregbarkeit des Reizbildungs- und Leitungssystems, die für zusätzliche Herzschläge sorgt.

Die Diagnose

Herzrhythmusstörungen sind weit verbreitet und werden nicht immer diagnostiziert, da sie in vielen Fällen wenig ausgeprägt sind und daher auch nicht zu nennenswerten Beschwerden führen. Besteht der Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Das wichtigste Mittel zur Diagnose stellt die Ableitung der elektrischen Impulse des Herzens dar. Durch ein Elektrokardiogramm (EKG) kann schnell und einfach festgestellt werden, ob der Herzrhythmus gestört ist und es sich um eine harmlose oder behandlungsbedürftige Störung handelt. Dabei wird das Herz bei Ruhe und Belastung und gegebenenfalls über eine längere Zeit (Langzeit-EKG) untersucht. Weitere Mittel zur Absicherung der Diagnose können eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) oder eine Röntgenabbildung des Brustkorbes sein.

Welche unterschiedlichen Formen der Herzrhythmusstörung gibt es?

Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Formen von Herzrhythmusstörungen. Eine Klassifizierung erfolgt anhand der Symptomatik und der beteiligten Regionen. Nachfolgend werden die wichtigsten Formen aufgeführt.

Extrasystolen

Sie sind die häufigste Form der Herzrhythmusstörung. Unabhängig vom Alter kommen diese Arrhythmien auch bei ansonsten gesunden Menschen vor. Bei dieser Form der Störung treten zusätzliche Herzschläge vor oder nach dem eigentlichen Herzrhythmus auf. Unterschieden wird zwischen ventrikulären Extrasystolen (VES), bei denen die Extraschläge von den Ventrikeln (Herzkammern) ausgehen und Supraventrikulären Systolen (SVES), bei denen entweder die Vorhöfe oder das Reizleitungssystem die Ursache sind. Betroffene bemerken Extrasystolen an plötzlichen Taktsprüngen, die sie oft als “Herzstolpern”, “Herzstottern” oder als “aus dem Takt geraten” beschreiben. Sie erweisen sich meist als harmlos, können in einigen Fällen aber auch auf organische Erkrankungen hinweisen. Eine Therapie wird nur in schwereren Fällen durch eine spezielle Medikamentierung durchgeführt.

Tachykardie

Eine Tachykardie bezeichnet eine anhaltend erhöhte Herzfrequenz. In der Literatur finden sich verschiedene Grenzwerte, die zwischen 80 und 120 Schlägen pro Minute liegen. Ob eine Tachykardie vorliegt, entscheidet der Arzt im Einzelfall unter Einbeziehung der spezifischen körperlichen Merkmale des Patienten (Gewicht, Größe, Alter, Geschlecht).
Auch was die Einteilung der verschiedenen Formen der Tachykardie an geht, gibt es unterschiedliche Ansätze. Eine sinnvolle Einteilung bietet die Anatomie des Herzens, da sie gleichzeitig bedeutend ist für die Gefährlichkeitseinstufung. Unterschieden wird bei diesem Ansatz zwischen Vorhof- und Kammertachykardien. Die Gefährlichkeit einer Tachykardie ergibt sich aus der Möglichkeit der Einschränkung der Pumpleistung des Herzens. Ist die Kontraktionsfolge des Herzmuskels zu hoch, wird aufgrund der Trägheit des Blutes nur noch wenig bis gar kein Blut mehr gepumpt. Geschieht dies im Bereich des Vorhofs (Vorhofflimmern), wird die Leistung herabgesetzt. Diese Form der Tachykardie ist mit zunehmenden Alter immer häufiger anzutreffen und wird auch als “Herzrasen” beschrieben. Sie ist weitgehend ungefährlich und wird medikamentös behandelt.
Eine Tachykardie im Bereich der Herzkammer (Kammerflimmern) ist dagegen weit aus gefährlicher, da das Herz dann nur noch unkontrolliert zuckt (mehr als 300 mal pro Minute) und nicht mehr in der Lage ist Blut zu pumpen. Dieser akute Zustand wird als “funktioneller Herzstillstand” bezeichnet. Kammerflimmern ist meist die Folge von schweren Herzerkrankungen, wie z.B. einem Herzinfarkt.

Bradykardie

Eine Bradykardie beschreibt einen Zustand, bei dem das Herz zu langsam schlägt. Der Puls liegt hier unter 60 Schlägen pro Minute. Als Ursachen kommen Störungen in der Erregungsbildung und in der Erregungsweiterleitung in Frage. Ist die natürliche Erregungsbildung im Sinusknoten gestört, spricht man von einer Sinusknoten-Dysfunktion (Sick-Sinus-Syndrom). Ist dagegen die Weiterleitung der Erregung gestört, wird die Rhythmusstörung als Herzblock bezeichnet. In beiden Fällen schlägt das Herz deutlich langsamer, was zu Schwindel, Übelkeit oder Ohnmacht führen kann. Häufig wird eine Bradykardie durch hochdosierte Medikamente (z.B. Betablocker) ausgelöst. Ein Absetzen der Medikamente oder eine Verringerung der Dosis bewirkt in der Regel eine Normalisierung. In schweren Fällen kann der Einsatz eines Herzschrittmachers notwendig werden.

16.05.2008 von FH


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