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Multiple Sklerose - Die frühzeitige Erkennung ist sehr wichtig und schwierig zugleich

Bei der Multiplen Sklerose (MS) greifen körpereigene Zellen plötzlich und ohne Vorwarnung die Nerven im Gehirn und / oder im Rückenmark an. Die MS gehört daher zur Gruppe der Autoimmunerkrankungen. Bei einer frühzeitigen Diagnose kann eine Therapie sehr erfolgreich sein. Allerdings sorgt der schubartige Verlauf der Krankheit immer wieder für Unklarheiten bei der Diagnose.

Epidemiologie der Multiplen Sklerose

Die Bezeichnung "Multiple Sklerose" ist wissenschaftlich nicht mehr korrekt. Eine Sklerose bezeichnet eine Gewebeverhärtung z.B. in Folge von Entzündungen. Bei MS dagegen werden die Nerven im Gehirn und Rückenmark durch entzündliche Vorgänge geschädigt, die zur Entmarkung der Nervenzellen führt. Medizinisch korrekt wird daher von Encephalomyelitis disseminata gesprochen.

Multiple Sklerose tritt gehäuft zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr auf (75 Prozent). Insgesamt sind etwa 120.000 Menschen in Deutschland betroffen. MS ist weder ansteckend noch vererbbar, wobei eine familiäre Häufung durchaus vorkommt. Die genauen Gründe dafür sind bisher nicht bekannt, man geht aber von einer weitergereichten Veranlagung aus, die durch einen noch unbekannten externen Umweltfaktor den Ausbruch der neurologischen Erkrankung provoziert. Genauso wenig erklärt ist bislang der Umstand, dass Frauen etwa zweimal häufiger an MS erkranken als Männer.

Was passiert bei MS?

Bei der Multiplen Sklerose greifen eigene Abwehrzellen aus bisher ungeklärten Gründen die Nerven im Gehirn und im Rückenmark an. Entzündungen zerstören die Markscheiden der Nervenfasern, die für die schnelle Weiterleitung von Reizen wichtig sind. Da auch die Oligodendrozyten, die für die Bildung der Markscheiden verantwortlich sind, angegriffen und zerstört werden, können sich die Markscheiden nicht oder nur unzureichend regenerieren und es kommt zu neurologischen Ausfällen.

Die Wichtigkeit der frühen Diagnose

Die Diagnose der Multiplen Sklerose ist äußerst schwierig. Nicht selten wird daher auch eine vorläufige Diagnose mit einem Verdacht auf MS ausgesprochen. Ein wesentlicher Grund für die diagnostischen Probleme ist der sehr unterschiedliche Krankheitsverlauf. Da die neurologische Erkrankung auf der Rückenmarksebene und / oder im Gehirn auftritt, können die Symptome sehr unterschiedlich sein. Oft werden andere Ursachen für die Entstehung der Symptome angenommen und eine entsprechende Behandlung kann sogar scheinbar zum Erfolg führen. Dann nämlich, wenn während der Therapie der Krankheitsschub endet und sich die Nerven teilweise regenerieren. Anschließend kann es Jahre dauern bis der nächste Schub einsetzt und einen Verdacht auf MS begründet. Zu den typischen Symptomen gehören Sehstörungen, Lähmungen, Sensibilitätsstörungen der Haut oder Nervenschmerzen. Ein erster Schub mit heftigen Symptomen kann für die erkrankte Person von Vorteil sein, da es die Wahrscheinlichkeit für eine frühe Diagnose erhöht. Oft wird MS jedoch nicht gleich beim ersten Schub entdeckt und weitere Schübe richten dann schwere Schädigungen der Nerven an. Zwei diagnostische Verfahren bieten sich zur Absicherung bei einem Verdachtsfall an. Zum einen werden bei einer Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes bei einem positiven Befund typische weiße Flecken sichtbar, die die Entmarkungsherde markieren. Zum anderen können die für die vielfachen Entzündungsherde verantwortlichen Zellen und Eiweiße im Nervenwasser, dem sogenannten "Liquor", nachgewiesen werden. Dazu wird eine Punktion des Rückenmarkkanals durchgeführt.

Therapieformen

Bei einem akuten MS-Schub wird der Patient 3 bis 5 Tage stationär über eine Infusion mit einer hohen Dosis Cortison versorgt. Die Basistherapie zielt auf eine Verhinderung und Abschwächung der Schübe ab, um langfristig eine hohe Lebensqualität zu erhalten. Erreicht wird dies durch Immunmodulation (Beta-Interferone, Glatirameracetat, intravenöse Immunglobulin, Natalizumab) und Immunsupression (Mitoxantron, Azathioprin und Cyclophosphamid).

Stand der Forschung

Die genaue Ursache der Entzündungen an den Markscheiden der Nervenfasern sind bisher noch nicht bekannt. Aus bisherigen Untersuchungen leitet sich eine Theorie ab, die ein Zusammentreffen von mehreren Faktoren für ein Auftreten von MS propagiert. Neben Umweltfaktoren wie klimatische, geographische Einflüsse und Ernährung, spielen auch innere Faktoren wie Genetik, sowie Störungen im Immunsystem und im Myelinstoffwechsel eine wichtige Rolle. Dazu kommen noch weitere Einflussgrößen wie Traumata, Infekte, psychische Belastungen und Schwangerschaft.

Die Multiple Sklerose ist nach wie vor nicht heilbar. Hilfe für MS-kranke könnte jetzt ein Projekt der Berliner Charité bieten. Ein Forscherteam der Charité-Universitätsmedizin Berlin hat unlängst eine Studie veröffentlicht (1), die eine Erklärung für die reduzierte Produktion von Nervenzellen nach einer Schädigung des Gehirn liefert. Die Forscher beobachteten einen oxidativen Stress in krankheitsgeschädigten Hirnen, der anstelle einer Neubildung von Nervenzellen zur Bildung von Gliazellen, einer Art Stützgewebe, führt. Weiterführende Studien sollen nun klären, in wie weit sich die Ergebnisse nutzen lassen, um auf dem Gebiet der Nervenzellenregeneration ein Stück voranzukommen.

Die für die Diagnose herangezogene Anzahl von Antikörpern in der Rückenmarksflüssigkeit könnte für die Ursachenforschung eine entscheidende Rolle spielen. Bisher nahm man an, dass die hohe Zahl der Antikörper durch eine Überwindung der Blut-Hirnschranke zustande kommt, da die Anzahl der antikörperbildenden B-Zellen im Liquor gleichzeitig sehr gering ist. Am Max-Planck-Institut für Neurobiologie wurde kürzlich ein neues Verfahren entwickelt (2), mit dem es erstmals möglich ist Antikörper und B-Zellen einander zuzuordnen. Danach gilt es nun als erwiesen, dass die wenigen B-Zellen tatsächlich die vielen Antikörper im Liquor produzieren und es zu keiner Überwindung der Blut-Hirnschranke kommt. Als nächsten Schritt wollen es die Forscher nun ermöglichen die schädlichsten B-Zellen zu entfernen und so den Verlauf der Multiplen Sklerose abzuschwächen.

27.06.2008 von FH


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(1) http://www.nature.com/ncb/journal/v10/n4/abs/ncb1700.html
(2) http://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/index.php?kategorie=forschung&anr=1603

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