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Morbus Parkinson - Eine Krankheit mit dem Potential zur Volkskrankheit

Die Krankheit Morbus Parkinson betrifft vorwiegend ältere Menschen in einem Lebensalter von 55 bis 65 Jahren. Über die Häufigkeit der neurodegenerativen Erkrankung gibt es sehr unterschiedliche Informationen. Die Spanne reicht von 100.000 bis zu 400.000 Betroffene allein in Deutschland. Experten gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, da die Entstehung von Morbus Parkinson typischerweise einen schleichenden Verlauf nimmt und sich die einzelnen Symptome unterschiedlich stark ausprägen. Treten zusätzlich noch andere Erkrankungen wie Rheuma, Alzheimer, Arthritis oder Osteoporose auf werden die anfänglich oft wenig ausgeprägten Symptome von Parkinson häufig übersehen. Und für die zukünftige Entwicklung der Erkrankungszahlen, kann man von einer deutlichen Steigerung der momentan bei 20.000 Neuerkrankungen pro Jahr liegenden Häufigkeit ausgehen. Diese Annahmen beruht zum einen auf der Bevölkerungsentwicklung, mit einer stetig ansteigenden Zahl älterer Menschen und zum anderen auf dem Umstand, dass bisher weder die Ursachen der Erkrankung, noch Mittel zur vollständigen Therapie bekannt sind.

Annahmen zur Entstehung

Mit rund 80 Prozent macht das so genannte ideopathische Parkinson-Syndrom den Hauptteil der Erkrankungsfälle aus. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich auf das Familiäre Parkinson-Syndrom, mit einer strengen Vererbung und auf das Sekundäre Parkinson-Syndrom, bei denen die Symptome Ausdruck einer anderen neurodegenerativen Erkrankung sind. Hauptsächlich geht es bei der Betrachtung von Morbus Parkinson also um die ideopathische Form. Ideopathisch bedeutet dabei in etwa ohne bekannte Ursache. Die medizinische Wissenschaft hat zwar die Symptomatik gut beschrieben und auch herausgefunden in welchen Bereichen die Degeneration stattfindet, allerdings gibt es für die tatsächlichen Ursachen bisher lediglich viele Vermutungen, aber noch keine wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnisse. Eine aktuelle Studie (1) von amerikanischen Forschern sieht beispielsweise einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Pestiziden und der Entstehung von Parkinson. Einer anderen Studie (2) aus dem Jahr 2006 zur Folge, könnten die von chronisch allergischen Schnupfen hervorgerufenen Entzündungsreaktionen, ebenfalls eine Erkrankung mit Parkinson begünstigen.

Beschreibung der Symptome

Morbus Parkinson besteht hauptsächlich aus drei Symptomen:

  1. Akinese / Bradykinese: unter der Akinese versteht der Mediziner eine Verarmung der Bewegung. Alle willkürlichen Bewegungen, also alle vom Willen gesteuerten, unterliegen einer deutlichen Verlangsamung (Bradykinese). Besonders Bewegungen, die eine gewisse Geschicklichkeit erfordern, können nur noch schwer ausgeführt werden. Oft kommt es auch zum Freezing, also zum Einfrieren der Bewegung. Der Patient ist nur noch eingeschränkt in der Lage Bewegungen zu initialisieren. Umdrehbewegungen und das gleichgewichtsrelevante Armpendeln beim Gehen können kaum noch ausgeführt werden. Erkennbar wird die Akinese auch durch die teilnahmslos wirkende Mimik, durch die die Gesichter der Erkrankten wie Masken erscheinen.
  2. Tremor: Das als Tremor bezeichnete Zittern tritt bereits als frühes Symptom auf. Dabei werden z.B. die Hände oder Füße rhythmisch hin und her bewegt. Eine besonders häufig auftretende Bewegung ist das so genannte Pillendrehen, bei der ein Daumen gegen den Zeigefinger hin und her bewegt wird, so als ob eine Pille zwischen den Fingern gedreht wird. Typisch für den Tremor ist das vermehrte Auftreten in Ruhephasen (Ruhe-Tremor), bei denen die erkrankte Person entspannt ist.
  3. Rigor: Als Rigor wird eine Muskelsteifigkeit bezeichnet, die durch einen permanent erhöhten Muskeltonus hervorgerufen wird. Die Extremitäten können oftmals nur noch eingeschränkt und nur ruckartig bewegt werden (Zahnrad-Phänomen). Vom Rigor wird mehrfach nur eine Körperseite betroffen. Insgesamt erzeugt der Rigor eine unnatürliche Körperhaltung mit leicht gebeugten Gelenken und einer leichten Vorbeugung von Kopf und Oberkörper.

Daneben kommen sekundäre Symptome wie Gleichgewichtsstörungen, Depressionen, Schwitzen und Verdauungsschwierigkeiten vor. Wichtig ist aber zu betonen, dass bei Morbus Parkinson, entgegen der landläufigen Meinung, psychische Beeinträchtigungen in den meisten Fällen nicht vorkommen.

Was genau führt zu den Symptomen von Morbus Parkinson?

Morbus Parkinson zählt zu den neurodegenerativen Erkrankungen. Genauer gesagt kommt es hier zu einem degenerativen Ungleichgewicht der Neurotransmitter, die für die Reizweiterleitung im zentralen Nervensystem verantwortlich sind. Es kommt zu einer Unterversorgung mit Dopamin und einer relativen Überversorgung mit den Botenstoffen Acethylcholin und Glutamat. Nur wenn alle Neurotransmitter in einem definierten Gleichgewicht zueinander auftreten, ist das zentrale Nervensystem in der Lage Bewegungen flüssig und gleichmäßig auszuführen. Die Unterversorgung mit Dopamin bringt das sensible Gleichgewicht durcheinander und es entstehen die typischen motorischen Symptome. Die Ursache für den Dopaminmangel besteht in dem Untergang der Substantia Nigra (Schwarze Substanz), einem Bereich im Mittelhirn, der die Dopaminausschüttung regelt.

Behandlung der Erkrankung

Eine ursächliche Behandlung ist nach dem heutigen Stand der Medizin noch nicht möglich. Eine Behandlung von Morbus Parkinson kann daher nur die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs und der degenerativen Veränderung der Substantia Nigra zum Ziel haben. Auch ist eine Behandlung der primären Symptomatik anzustreben. Auf diesen Gebieten gibt es auch einige Erfolge, so dass viele Patienten bei früher Diagnose und einem günstigen Krankheitsverlauf noch viele Jahre ein nahezu normales Leben führen können.

Was bringt die Zukunft?

Studien und wissenschaftliche Untersuchungen gab es in den letzten Jahren viele und weitere werden noch folgen. Von wirklich hilfreichen Ergebnissen ist die Forschung allerdings noch weit entfernt. Ein Durchbruch wäre aber dringend erforderlich, um eine weitere Erhöhung der jährlichen Neuerkrankungen zu verhindern. Denn nur wenn die genauen Ursachen bekannt sind, kann eine Ursachenvermeidung die Krankheit an ihrer Ausdehnung hindern. Und solange keine Medikamente für eine ursächliche Behandlung bekannt sind, müssen die Zusammenhänge, die zu einem Ausbruch von Morbus Parkinson führen intensiv erforscht werden.

Quellen:
(1) http://www.biomedcentral.com/1471-2377/8/6/abstract
(2) http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/268341.html

08.08.2008 von FH


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