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2005-04-27

Technology Review über Bewusstsein von Koma-Patienten / Hirntätigkeit auch im Wachkoma noch messbar


Hannover (ots) - Mit modernen diagnostischen Verfahren versuchenForscher zu ergründen, was im Hirn eines komatösen Menschen vorgeht.Bei den Untersuchungen zeigen scheinbar bewusstlose MenschenAnzeichen von Empfindungen, wenn auch nur unter bestimmtenBedingungen, schreibt das Technologiemagazin Technology Review in deraktuellen Ausgabe 5/2005.

Ärzte setzen Patienten einem bestimmten Reiz wie fehlerhaftenSätzen aus und messen dann mittels Elektroenzephalogramm (EEG) dieReaktion des Gehirns. Dabei zeichnen Elektroden, die auf die Kopfhautaufgesetzt werden, die Aktivität des Gehirns auf. "Bei jedem viertenoder fünften Patienten, der bislang als vollkommen weggetreten galt,messen wir im Gehirn Reaktionen auf derartige Reize, das heißt, derMensch versteht, was da gesagt wurde", erklärt Niels Birbaumer,Hirnforscher an der Universität Tübingen. "Wenn wir uns nur an dashalten würden, was wir wissenschaftlich beweisen können, dannbräuchten wir keine Ethik. Dann dürften wir keinen dieser Patientensterben lassen."

Die Untersuchungen widersprechen der verbreiteten Ansicht, nachder ein Mensch entweder wach oder bewusstlos sein müsse, und zwingeneventuell zum Umdenken. In manchen Fällen sind die Ergebnisse sowidersprüchlich, dass niemand mit Sicherheit sagen kann, ob einMensch in einem gelähmten Körper eingeschlossen ist oder aberbewusstlos. Die Resultate deuten jedoch an, dass das Bewusstseinkeine Lampe ist, die entweder an oder aus ist. Sie kann trübe glimmenoder flackern.

Das tiefe Koma ähnelt in vieler Hinsicht dem traumlosen Schlaf undstellt ein durchaus sinnvolles, weil energiesparendes,Notfallprogramm des Körpers dar. Ein Mensch im Koma reagiert zwarnicht auf Schmerzreize, doch der Hirnstamm erzeugt noch Reflexe wieWürgereiz oder Lidschlag. Das EEG im Koma unterscheidet sich deutlichvom Wachzustand, aber auch vom Hirntod, bei dem im gesamten Gehirnjegliche Aktivität erloschen ist.

Das Wachkoma ist 1972 erstmals definiert worden. Patienten habeneinen Wach-Schlaf-Rhythmus und lassen sich durch Geräusche oderSchmerzreize aufwecken. Sie atmen, öffnen und bewegen ihre Augen,können weinen, stöhnen, lächeln, aber ohne Bezug auf einen äußerenEinfluss. In diesem Zustand kann das EEG laut Birbaumer fast normalaussehen, "etwa wie bei einem Menschen, der leicht schläfrig ist".(thv)

Titelbild Technology Review 5/2005www.heise-medien.de/presseinfo/bilder/tr/05/tr052005.jpg

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