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2005-10-14

Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen erfolgreich gesenkt / Dramatischer Neuanstieg um über zwanzig Prozent für 2005 befürchtet / Report mit Ausblick auf Arzneimittelmarkt


Berlin (ots) - 2004 war das bisher erfolgreichste Jahr bei derSenkung der Arzneimittelausgaben in der GesetzlichenKrankenversicherung (GKV).

Mit einem über zehnprozentigen Rückgang sank der Bruttoumsatz fürFertigarzneimittel um nahezu 2,5 Mrd. Euro von 24,1 Mrd. Euro imJahre 2003 auf 21,7 Mrd. Euro in 2004. Noch drastischer lässt sichder Rückgang bei den verordneten Packungen beziffern. Wurden 2003noch 749 Mio. Packungen verordnet, gingen diese Zahlen um fast einViertel auf 570 Mio. Packungen zurück. Das über viele Jahreüberproportionale Wachstum des Arzneimittelsektors konnte so gebremstwerden, dass der Ausgabenanteil für Arzneimittel an denGKV-Leistungsausgaben auf 15,6 Prozent zurückging. Damit liegen dieGesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen fürArzneimittel mit 21,8 Mrd Euro unter den Kosten für ärztlicheBehandlungen (23,0 Mrd. Euro). Ausschlaggebend für den Erfolg derrückläufigen Arzneimittelausgaben sind die Auswirkungen des 2004 inKraft getretenen GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG). Dennoch, sokonstatieren die Herausgeber des Arzneiverordnungs-Report, ist fürdas erste Halbjahr 2005 ein dramatischer Neuanstieg um über zwanzigProzent festzustellen. Der im Wissenschaftsverlag Springererschienene Arzneiverordnungs-Report 2005 (AVR) der Herausgeber Prof.em. Dr. Ulrich Schwabe und Dr. Dieter Paffrath analysiert undbewertet die Entwicklung der Arzneimittelverordnungen des Jahres2004. Der Arzneitherapie bei Kindern ist in diesem Jahr einbesonderes Kapitel gewidmet. Der Report erscheint jährlich seit1985.

Den größten Einfluss auf den Rückgang der Arzneimittelumsätzehatte der weitgehende Ausschluß von rezeptfreien Medikamenten aus demLeistungskatalog der Krankenkassen. Weitere wichtige Maßnahmenseitens des Gesetzgebers waren Änderungen der Zuzahlungsregelungenund der Arzneimittelpreisverordnung sowie die Erhöhung derHerstellerrabatte. Darüber hinaus kam die Erhöhung derPatientenzuzahlung sowie die Einführung der Praxisgebühr zum Tragen."Allerdings werden einmalige Einsparungen wie zum Beispiel derZusatzrabatt für Arzneimittel ohne Festbetrag (1 Mrd. Euro) und derVorzieheffekt im Jahre 2005 wieder voll zu Buche schlagen", betonteder Heidelberger Pharmakologe Schwabe auf der BerlinerPressekonferenz. Er verwies auf die Entwicklung des laufenden erstenHalbjahres mit einem Ausgabenanstieg von 20,5 Prozent. "Selbst beiabsolut identischem Verordnungsverhalten ist ein hoher Sockelbetragvorprogrammiert. Auf diesen Reboundeffekt müssen Ärzte wieKrankenkassen gefasst sein", so Schwabe.

Noch offene Einsparpotenziale

Trotz vieler Kostensenkungen gibt es noch immer ein großesEinsparpotenzial, das der Arzneiverordnungs-Report für 2004 auf 2,9Mrd. Euro beziffert (Vorjahr 4,5 Mrd.Euro). Für die Generika habendie Herausgeber Wirtschaftlichkeitsreserven von 1,1 Mrd. Euro(Vorjahr 1,45 Mrd. Euro) errechnet. Bei den Analogpräparaten sind dieEinsparpotenziale von 2,0 Mrd (2003) auf 1,2 Mrd. Eurozurückgegangen. Ursache dafür ist die Tatsache, dass durch die neueArzneimittelpreisverordnung teure Präparate billiger und preiswerteGenerika teurer wurden. Bei den umstrittenen Arzneimittelnberechneten die Herausgeber des Arzneiverordnungs-Reports 2005 einEinsparpotenzial von 600 Mio. Euro gegenüber 1,0 Mrd. im Vorjahr.

Im diesjährigen Arzneiverordnungs-Report werden erstmals dieführenden Arzneimittelhersteller mit ihrem Produktsortiment, ihrenPreise sowie ihren Einsparpotenzialen des Jahres 2004 präsentiert."Der Arzneiverordnungs-Report bietet den Krankenkassen eineEntscheidungsgrundlage, ob sich Vertragsverhandlungen mit einzelnenPharmaherstellern überhaupt lohnen und der jeweilige Hersteller eininteressanter Vertragspartner für einen Rabattvertrag darstellt", soHerausgeber Paffrath.

Qualität der kinderärztlichen Arzneitherapie

Trotz großer Fortschritte gibt es bei Kindern immer nocherkennbare Defizite in der Anwendung und Prüfung von Arzneimitteln.Im Vordergrund steht das in der Kinderheilkunde seit langem bekannteProblem der Anwendung von Medikamenten außerhalb der Zulassung (OffLabel Use). Noch häufiger werden bei Kindern in der ambulantenTherapie Arzneimittel eingesetzt, die zwar für diese Altersgruppezugelassen sind, aber keine ausreichende Evidenz für einentherapeutischen Nutzen haben. Dazu gehören vor allem rezeptfreieMedikamente aus den Gruppen der Expektorantien (schleimlösendeMittel), Rhinologika (Nasentropfen), Magen-Darm-Mittel und Dermatika(zur Hautbehandlung). Für das Jahr 2004 berechnet derArzneiverordnungs-Report für Kinder und Jugendliche 71,3 Mio.Verordnungen mit einem Umsatzvolumen von 1,01 Mrd. Euro. Mit diesemAnteil von 4,7 Prozent an den gesamten Arzneimittelausgaben benötigenKinder deutlich weniger Arzneimittel als Erwachsene.

Der Report beschreibt jährlich die Einführung neuer Medikamente,bewertet den therapeutischen Nutzen, berechnet die Kosten und gibtÄrzten konkrete Verordnungsempfehlungen. Dank der Spitzenverbände derGesetzlichen Krankenversicherung und des Zentralinstituts für diekassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland alsProjektträger des GKV-Arzneimittelindex im WissenschaftlichenInstitut der AOK (WIdO) stehen jährlich die entsprechendenArzneimittelverordnungsdaten zur Verfügung. Auf der Basis von 400Millionen kassenärztlichen Rezepten analysiert der Report dieVerordnungs- und Umsatzentwicklung und formuliert neueTherapie-Trends. Konkrete Wirkstoffgruppen und Präparate werden in 46pharmakologischen Kapiteln dargestellt. Ärzten steht damit einHilfsmittel zur Verfügung, um eine Verordnung nach therapeutischenund wirtschaftlichen Gesichtspunkten treffen zu können. In denmarktbezogenen Kapiteln werden unter anderem die ökonomischenAuswirkungen der GMG beschrieben, wie auch die 3.000 führendenPräparate im Arzneimittelmarkt 2004 mit ihren Verordnungen undUmsätzen gelistet. Der Arzneiverordnungs-Report gilt als Standardwerkund genießt hohe Anerkennung in allen wichtigen Gremien undVerbänden, die sich mit Fragen der Gesundheitsökonomie undGesundheitspolitik in Deutschland beschäftigen. In Europa gibt esbislang keine vergleichbare wissenschaftliche Bewertung vonArzneimittelverordnungen.

Ulrich Schwabe; Dieter Paffrath (Hrsg.) Arzneiverordnungs-Report 2005 Aktuelle Daten, Kosten; Trends und Kommentare Springer 2006. 1235 S., 60 Abb., Broschiert, EUR 34,95; ISBN 3-540-28368-4

Originaltext: Springer-Verlag GmbH & Co. KGDigitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=8849Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_8849.rss2

Pressekontakt:Renate Bayaz, Springer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 06221/ 487-8531, E-mail: renate.bayaz@springer-sbm.com

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