Geschichte der Medizin

Elizabeth Blackwell

Amerikas erste Ärztin

Von Ernst Probst

Die erste Frau, die in den USA erfolgreich das Doktorexamen ablegte, war die aus England stammende Elizabeth Blackwell (18211910). Zu ihren Lebzeiten herrschte die Ansicht vor, nur Männer könnten Mediziner werden. Allen Schwierigkeiten zum Trotz verwirklichte sie ihren Berufwunsch. Amerikas erste Ärztin prägte den in der Krankheitsvorsorge berühmten Satz Vorbeugen ist besser als Heilen.

Elizabeth Blackwell wurde am 3. Februar 1821 als viertes von neun Kindern des Zuckerraffineurs Samuel Blackwell (17901838) und seiner Frau Hannah Lane (17921870) in Counterslip bei Bristol in England geboren. Sie erhielt den Kosenamen Bess. Ihr Vater nannte sie Little Shy (kleine Schüchterne).

Als Elizabeth elf Jahre alt war, zerstörte nachts ein Feuer das Geschäft ihres Vaters. Dadurch verarmte die Familie und wanderte 1832 in die USA aus. In New York stieg Samuel Blackwell erneut ins Zuckergeschäft ein, aber er wollte keinen Zucker verkaufen, der mit Hilfe von Sklaven hergestellt wurde. 1837 zog die Familie Blackwell nach Cincinnati in Ohio, wo der Vater im Jahr darauf starb.

Elizabeth verdiente anfangs als Lehrerin an der von ihrer Mutter betriebenen kleinen Privatschule für schwarze Kinder ihren Lebensunterhalt. Später gab sie Musikunterricht in Charleston, um damit ihr Medizinstudium zu finanzieren. Am 23. Januar 1849 bestand die 27-Jährige als erste Frau in den USA und als beste Studentin ihres Jahrgangs am Geneva College in New York das Doktorexamen. Damit war sie die erste Ärztin in Amerika, fand jedoch keine Stelle und reiste deswegen nach Europa. In London begegnete Elizabeth Blackwell der britischen Krankenschwester Florence Nightingale (18201910). Anschließend ging sie nach Paris, um dort Arbeit zu suchen. Weil in Frankreich ihre Dissertation nicht anerkannt wurde, erwarb sie ein französisches Diplom für Geburtshilfe. Danach kehrte sie nach New York zurück und plante, dort eine eigene Praxis zu eröffnen. Als ihr in New York kein Hausbesitzer Räumlichkeiten für eine Praxis vermieten wollte, nahm Elizabeth Blackwell ein Darlehen auf und erwarb ein Haus. Bald kamen so viele Patientinnen zu ihr, dass sich die Presse für sie interessierte und männliche Kollegen ihre Arbeit anerkannten. Dank ihrer Einnahmen konnte Elizabeth Blackwell 1857 das erste Frauen- und Kinderkrankenhaus in New York eröffnen. Ihre Schwester Emily (18261910), die am Rush Medical College in Chicago Medizin studiert hatte, arbeitete für sie zunächst als Hebamme und leitete später zusammen mit der Polin Dr. Marie Zakrzewska (18291902) das New Yorker Krankenhaus. Diesem gliederte man später ein medizinisches Kolleg an, das Frauen die Ausbildung zur Ärztin erleichterte.

Bei einem ihrer Aufenthalte in England gründete Elizabeth Blackwell die National Health Society. In ihrem Geburtsland lernte sie auch Sophia Jex-Blake (18401912) kennen, die sich 1869 an der medizinischen Fakultät der Universität Edinburgh beworben hatte und anfangs abgewiesen wurde, weil es sich für eine einzelne Frau nicht schicke, an den Kursen teilzunehmen. Deshalb organisierte sie eine Gruppe von sieben Frauen, die dann studieren durfte.

Nach einem Jahr wollten Sophia Jex-Blake und die anderen Frauen den Anatomiekurs besuchen. Der Weg zum Hörsaal wurde für sie zur Qual. Männliche Studenten verbarrikadierten den Eingang, bewarfen sie mit Schmutz und beschimpften sie übel. Als sie endlich ankamen, präsentierte man den Frauen Schafe und erklärte, nun seien auch niedrige Tiere nicht mehr von Hörsälen ausgeschlossen.

Nachdem man ihr auch das erreichte Diplom verweigerte, setzte Sophia Jex-Blake ihre Studien in New York fort und wurde eine Schülerin von Elizabeth Blackwell. 1875 versuchte Sophia in England, Frauen aufgrund der Lizenz für Geburtshilfe in das Medizinregister eintragen zu lassen. Daraufhin trat die gesamte Prüfungsbehörde aus Protest zurück. Jex-Blake hatte damals in Edinburgh eine Medizinische Schule gegründet, an die sie auch Elizabeth Blackwell holte, die 1899 ihre New Yorker Schule schloss, weil das Cornell University College von da an auch Medizinstudentinnen aufnahm.

Elizabeth und Emily Blackwell setzten sich bis zu ihrem Tod für die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und für den Ausbau der allgemeinen Krankenversicherung ein. Kritisch äußerten sie sich über den exzessiven Einsatz der Chirurgie und über die sexuelle Doppelmoral. Am 3. Mai 1910 starb Elizabeth Blackwell im Alter von 89 Jahren in Kilmun (Schottland). Ihre Schwester Emily folgte ihr noch im selben Jahr ins Grab. Auch andere Blackwell-Kinder waren im Berufsleben sehr erfolgreich. Samuel (18231901) und Henry (18251909) wirkten als Sozialreformer. Anna (18161900) arbeitete als Zeitungskorrespondentin, Ellen (18281901) als Schriftstellerin und Künstlerin. Samuel heiratete die erste amerikanische Pastorin, Antoinette Brown (18251921), und Henry die Frauenrechtlerin und Kämpferin gegen die Sklaverei, Lucy Stone (18181893).

Die Biografie von Elizabeth Blackwell stammt aus dem Taschenbuch "Superfrauen 6 Medizin" von Ernst Probst und ist erhältlich bei www.verlagernstprobst.de


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