Geschichte der Medizin

Geniève de Galard Terraube

Der Engel von Dien Bien Phu

Von Ernst Probst

Mit dem Ehrennamen Engel von Dien Bien Phu würdigten in den 1950-er Jahren französische Soldaten in Indochina die bewundernswerten Leistungen ihrer Landsmännin und Krankenschwester Geneviève de Galard Terraube. Noch während der Kampfhandlungen verlieh der Kommandant der Dschungelfestung, General de Castries, ihr die Tapferkeitsauszeichnung Croix de Guerre mit Palmen. Außerdem erhielt sie das Kreuz der Ehrenlegion.

Geneviève de Galard Terraube wurde am 13. April 1925 als Tochter eines Offiziers in Paris geboren. Sie stammt aus einer Adelsfamilie in der Gascogne, die seit den Kreuzzügen im Mittelalter hervorragende Soldaten, Bischöfe und Staatsmänner hervorbrachte. Berühmt ist vor allem Hector de Galard (gest. 1475), der die heilige Jeanne dArc (14121431) bei den Kämpfen um Orléans begleitete.

Während ihrer Kindheit lebte Geneviève de Galard Terraube meistens in Paris, wo sie die Louise de Bettignies Schule besuchte. Zur Zeit der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg hielt sich die Familie in Toulouse auf. Dort besuchte Geneviève de Galard Terraube eine dominikanische Klosterschule. Nach Kunststudien an der Ecole du Louvre in Paris erwarb sie 1948 an der Sorbonne ein Diplom für Englisch und verbrachte danach einige Zeit in Großbritannien.

1950 entschied sich Geneviève de Galard Terraube für den Beruf der Krankenpflegerin. Gegen den Willen ihrer Eltern ließ sie sich als Examensbeste zur Fliegenden Schwester ausbilden. Ab 1952 diente sie im Sanitätscorps der französischen Luftwaffe in Indochina und Afrika. Anfang 1954 ging Geneviève de Galard Terraube wieder nach Indochina, wo sie am 28. März 1954 in der von den Vietminh-Truppen eingeschlossenen Dschungelfestung Dien Bien Phu ihren Dienst antrat. Dort harrte sie als einzige Frau bei den Tausenden von Verwundeten und Sterbenden aus, assistierte im unterirdischen Bunker täglich bei mehr als 20 Operationen und fand kaum noch Schlaf. Außerdem pflegte sie die Schwerverletzten und tröstete die Sterbenden.

Nach der Einnahme der Festung durch die Vietminh-Truppen wurde Geneviève de Galard Terraube sofort die Freiheit angeboten, doch sie blieb bei den Verwundeten. Erst auf ausdrücklichen Befehl ihrer Vorgesetzten flog sie einige Wochen später ab. Bei ihrer Ankunft in Hanoi erklärte sie standhaft: Ich habe beschlossen, dass ich nichts zu sagen habe. Schon vor ihrer Freilassung hatte sie verlockende Angebote über die Verwertung ihrer Erlebnisberichte erhalten und abgelehnt.

In der Heimat wurde Geneviève de Galard Terraube mit der silbernen Ehrenmedaille des französischen Flieger-Sanitätskorps ausgezeichnet. Papst Pius XII. (18761958) würdigte die Verdienste des Engels von Dien Bien Phu mit einem Rosenkranz und einer persönlichen Botschaft.

Im Sommer 1954 reiste Geneviève de Galard Terraube als dritter offizieller Staatsgast des amerikanischen Kongresses durch die USA. Der Erste, dem diese Ehre zuteil wurde, war der französische Freiheitsgeneral Marie Joseph Motier Marquis de Lafayette (17571834, der Zweite der ungarische Revolutionär Lajos Kossuth (18021894). Geneviève de Galard Terraube wurde in New York triumphal empfangen. Danach verlieh man ihr mehrere Auszeichnungen. Unter anderem überreichte ihr Präsident Dwight D. Eisenhower (18901969) die Freiheitsmedaille.

Die Biografie von Geniève de Galard Terraube stammt aus dem Taschenbuch "Superfrauen 6 Medizin" von Ernst Probst und ist erhältlich bei www.verlagernstprobst.de


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