Geschichte der Medizin

Gerty Cori

Die erste Medizinnobelpreisträgerin

Von Ernst Probst

Die erste Frau, die den Nobelpreis für Medizin entgegennehmen konnte, war die aus der Tschechoslowakei stammende amerikanische Ärztin Gerty Cori (1896-1957), geborene Gerty Theresa Radnitz. Sie erhielt diese hohe Auszeichnung zusammen mit ihrem Mann, dem deutsch-amerikanischen Mediziner und Physiologen Carl Ferdinand Cori (1896-1984), und dem argentinischen Mediziner Bernardo Alberto Houssay (188-71971).

Gerty Theresa Radnitz wurde am 15. August 1896 in Prag geboren, das damals noch zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte. Ihr Vater Otto Radnitz leitete eine Zuckerfabrik. Gerty war die älteste von drei Töchtern, ihre jüngeren Geschwister hießen Lotte und Hilda. Bis zum Alter von zehn Jahren erhielt Gerty im Elternhaus durch Privatlehrer Unterricht, dann besuchte sie eine private Mädchenschule.

Mit 16 Jahren beschloss Gerty Radnitz, das Abitur in Österreich Matura genannt zu machen und Chemikerin zu werden. Zwei Jahre lang lernte sie zu Hause Latein, Mathematik, Physik und Chemie, bevor sie 1914 am Tetschen-Realgymnasium in Prag die Reifeprüfung bestand. Noch im selben Jahr schrieb sie sich an der Deutschen Universität in Prag ein und studierte Medizin.

Zur selben Zeit wie die rothaarige Gerty Radnitz begann auch ein blonder junger Mann, dessen Vater eine meeresbiologische Station in Triest leitete, sein Medizinstudium in Prag: Carl Ferdinand Cori. Ihn faszinierten der Charme, die Intelligenz, die Vitalität und der Sinn für Humor seiner Kommilitonin, die Wanderungen, das Skifahren und Bergsteigen liebte. Bald waren beide beim Studium und in der Freizeit unzertrennlich. 1917 wurde Carl Cori als Sanitätsoffizier in die österreichische Armee eingezogen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges konnte er 1918 sein Studium fortsetzen. Zu Beginn des Jahres 1920 promovierte Gerty Radnitz zum Doktor der Medizin, auch Carl Cori beendete damals sein Studium. Die beiden zogen nach Wien und heirateten.

Anschließend arbeitete Gerty Cori zwei Jahre lang als Kinderärztin am Karolinen-Kinderspital in Wien, wo sie an Schilddrüsenerkrankungen leidende Kinder untersuchte. Ihr Mann wirkte im Untersuchungslabor der Wiener Universitätsklinik. In der Freizeit unternahmen die Eheleute Skitouren und Kletterpartien in den österreichischen Bergen.

1922 trat Carl Cori eine Stelle als Biochemiker am Staatlichen Krebsforschungszentrum in Buffalo am Eriesee im amerikanischen Bundesstaat New York an. Wenige Monate später folgte ihm seine Frau, die er als Assistentin am Krebsforschungszentrum unterbrachte. 1928 erhielt das Paar die amerikanische Staatsbürgerschaft.

1931 wurde Carl Cori als Pharmakologieprofessor an die Washington University School of Medicine in St. Louis (Missouri) berufen. Seine Frau durfte zwölf Jahre lang für ein symbolisches Gehalt in seinem Forschungslabor mitarbeiten. Im Sommer 1936 kam Tom, der einzige Sohn des Ehepaares Cori, zur Welt. In St. Louis erforschten Carl Ferdinand und Gerty Cori gemeinsam den Kohlehydratstoffwechsel und die Funktion der Enzyme in tierischen Geweben. Speziell interessierten sie sich für das Schicksal des Glukosemoleküls beim Aufbau und Abbau des Glykogens im tierischen Körper. Frau Cori erforschte und beschrieb eine Form der Glykogenspeicherkrankheit (so genannte Cori-Krankheit).

Ab 1943 war Gerti Cori research associates professor. 16 Jahre später als ihr Gatte erhielt auch sie 1947 eine volle Professur: Sie wurde 1947 zur Professorin für Biochemie an der Washington University ernannt. Diese Funktion bekleidete sie ein Jahrzehnt lang bis zu ihrem Ableben.

Im Sommer 1947 fuhr das Ehepaar Cori nach Colorado in die Rocky Mountains zum Bergsteigen. Anders als sonst scheiterte Gerty diesmal am 4300 Meter hohen Snow Mass: Sie litt unter Atembeschwerden, fühlte sich schwach und schwindelig. Es waren die ersten Anzeichen einer seltenen und unheilbaren Knochenmarkserkrankung namens Myelofibrose.

Das Ehepaar Cori wurde im Dezember 1947 für seine Forschungen über Kohlehydratabbau im Muskel mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Es teilte sich diese hohe Auszeichnung mit dem argentinischen Physiologen Bernardo Alberto Houssay, der für seine Arbeiten über die Bedeutung des Hypophysenvorderlappens für den Zuckerstoffwechsel ebenfalls den Nobelpreis für Medizin erhielt.

Nach der Verleihung des Nobelpreises sagte Carl Cori in seiner Dankesrede: Unsere Forschungen haben sich größtenteils ergänzt, und einer ohne den anderen wäre nie so weit gekommen, wie wir es nun geschafft haben. Vom Preisgeld in Höhe von 24460 US-Dollar wünschte sich der elfjährige Sohn Tom eine Dampflok als seinen Anteil.

Ein mit den Coris befreundeter Journalist, schrieb einmal, die geistigen Prozesse der beiden Eheleute griffen ineinander, so dass sie gemeinsam denken und sprechen würden. Ohne seine lebhafte und begeisterungsfähige Frau mochte der eher zurückhaltende Carl Cori nicht arbeiten. Einmal bot ihm eine Universität einen gut dotierten Posten an, wollte aber seine Gattin nicht mitbeschäftigen, daraufhin schlug er das Angebot empört aus.

1950 wählte man Gerty Cori zum Direktor der National Science Foundation. Ihre folgende Forschungsarbeit führte 1952 zur Aufklärung der Molekularstruktur des Glycogen. Gerty Cori erlag am 26. Oktober 1957 im Alter von 61 Jahren einem Nierenversagen, das die Folge ihrer Knochenmarkserkrankung war, in St. Louis.

Die Biografie von Gerty Cori stammt aus dem Taschenbuch "Superfrauen 6 Medizin" von Ernst Probst und ist erhältlich bei www.verlagernstprobst.de


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