Zusatzbeiträge der Krankenkassen steigen auch 2016

Zusatzbeiträge der Krankenkassen steigen im neuen Jahr. Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe teilte kürzlich mit, dass der Zusatzbeitrag der gesundheitlichen Krankenkassen im Jahr 2016 auf durchschnittlich 1,1 Prozent ansteigen solle. Damit liegt der erst 2015 eingeführte Beitrag bereits 0,2 Prozentpunkte über dem ursprünglichen Wert.

Kassen dürfen den Zusatzbeitrag frei wählen

Zusatzleistungen der KrankenkassenDurch die erhöhte Belastung der Krankenkassen rechnen Experten schon länger mit einer Anhebung der Zusatzbeiträge. Grundsätzlich darf aber jede Kasse selbst die genaue Höhe festlegen. Anfang 2015 wurde diese Regelung eingeführt und löste den bis dahin einheitlichen Zusatzbeitrag ab. Die Krankenkassen sollen dadurch besser in der Lage sein ihre tatsächlichen Kosten und Einnahmen zu regulieren.

Der Zusatzbeitrag an sich bezeichnet den Anteil der monatlichen Prämie, die ein Arbeitnehmer alleine zahlen muss. Er wird also auf den eigentlichen Arbeitnehmeranteil aufgeschlagen. Wer zum Beispiel einen Arbeitnehmeranteil von 14,6 % zahlt, muss im Jahr 2016 inklusive des Zusatzbeitrags insgesamt 15,7 % seines Bruttolohns für die Krankenkasse aufwenden. Wie die Krankenkassenbeiträge selbst ist auch der Zusatzbeitrag dabei an die Beitragsbemessungsgrenze gekoppelt, die aktuell bei 4237,50 € liegt. Wer so viel verdient, zahlt bei einer Erhöhung um 0,2 % zukünftig 8 € pro Monat mehr.

Zusatzbeiträge der Krankenkassen – So reagieren die Krankenkassen auf die Ankündigung

Zahlreiche Krankenkassen haben ihre Beitragsentwicklung für das neue Jahr schon zum Teil bekannt gegeben. Die Techniker Krankenkasse beteuerte, dass der Zusatzbeitrag im neuen Jahr unter dem Durchschnitt von 1,1 % liegen solle. Gleichzeitig wurde jedoch eine Erhöhung des aktuellen Beitrags von 0,8 % angekündigt. Wie hoch genau die Erhöhung ausfallen soll, entscheidet der Verwaltungsrat noch im Laufe dieses Monats.

Die AOK Nordost will ihren Beitragssatz von derzeit 15,5 Prozent inklusive Zusatzbeitrag weiterhin stabil halten, was der Verwaltungsrat in den nächsten Tagen bestätigen soll. Die IKK gesund plus will ihren Zusatzbeitrag von aktuell 0,6 % nicht anheben. Auch die IKK Südwest geht aktuell von keiner Erhöhung aus, allerdings liegt der Beitragssatz mit 1,2 % hier ohnehin schon deutlich über dem Durchschnitt.

Fusionen statt Wettbewerb

Bundesgesundheitsminister führte den individuellen Zusatzbeitrag nach eigenen Aussagen ein, um den Wettbewerb unter den Krankenkassen zu beleben. Es hat sich jedoch gezeigt, dass viele kleinere Kassen aufgrund knapper Finanzreserven stattdessen eher fusionierten. So passierte es etwa mit der BKK VBU, die sich ab dem nächsten Jahr mit den Betriebskrankenkassen Basell, Demag Krauss-Maffei und Schleswig-Holstein zusammenschließt. Insgesamt haben die Krankenkassen zwar noch Finanzreserven von etwa 15 Milliarden Euro, diese verteilen sich jedoch extrem unterschiedlich auf die einzelnen Träger.

SPD, Linke und DGB fordern aus diesen und anderen Gründen bereits eine Rückkehr zu gleichen Beitragsanteilen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Sie verweisen auf eine Ungerechtigkeit, die durch die Mehrbelastung für Arbeitnehmer entstünde. Ursprünglich einigten sich SPD und Union in Koalitionsverhandlungen darauf, dass ein zu hoher Zusatzbeitrag nicht akzeptabel sei. Jene Grenze sei mit der Erhöhung 2016 nun überschritten.

Welche Versicherten in welchem Umfang betroffen sind, wird sich wohl erst in den nächsten Wochen zeigen. Erhöht eine Krankenkasse den Beitrag, genießen die Versicherten jedoch in jedem Fall ein Sonderkündigungsrecht. Selbst wer weniger als 18 Monate in einer Versicherung Mitglied ist, kann sich dann von dieser lossagen und sich nach günstigeren Angeboten umschauen. Es muss sich also niemand mit einer Erhöhung einfach abfinden.