Magazin

Der Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds ist die Finanzierungsgrundlage der neuen Gesundheitsversicherung. Ab dem 1. Januar 2009 zahlen alle gesetzlichen Krankenversicherten in Deutschland in diesen Fonds einen einheitlichen Beitrag ein. Damit gelten im System der gesetzlichen Krankenkassen erstmals die gleichen Bedingungen wie in der gesetzlichen Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Ziel des Gesundheitsfonds ist es, die unterschiedliche Finanzkraft der Kassen zu 100% auszugleichen. Funktionieren soll dies folgendermaßen: Jede Krankenkasse erhält pro Versichertem eine nach Alter, Geschlecht und bestimmten Krankheitsfaktoren modifizierte Zuweisung. Somit soll ein morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich geschaffen werden, der die ungleiche Belastung der Kassen künftig ausgleichen soll. Dieser Risikostrukturausgleich orientiert sich an 50 bis 80 Krankheiten, bei denen die durchschnittlichen Leistungsausgaben je Versichertem die normalen Ausgaben, die die Kasse für einen Versicherten erbringt, um mindesten 50% übersteigen.

So funktioniert der Beitragseinzug

Mit dem neuen Finanzierungssystem der Kassen wird sich auch der Beitragseinzug ändern – jedoch erst ab dem 1. Januar 2011. Bis dahin bleibt alles wie gehabt, außer, dass die Kassen die Beiträge von den Versicherten nicht mehr für sich selber, sondern für den Gesundheitsfonds einziehen. Dies sieht erneut nach einem von jenen bürokratischen Umwegen aus, die die neue Gesundheitsversicherung eigentlich abschaffen wollte. Schließlich ziehen die Kassen die Gelder nur ein, um sie noch am selben Tag an den Fonds weiterzuleiten. Der Gesetzgeber hat dies erkannt und „ermutigt“ die Krankenkassen dazu, möglichst bald eine gemeinsame Einrichtung zu gründen, um so die Prozesse zu vereinfachen. Da es außer der wohlmeinenden Ermutigung jedoch weder Forderungen noch Fristen gibt, ist es als fraglich anzusehen, inwieweit die Kassen hier auf den Gesetzgeber zugehen werden. Eventuell werden sie das aber auch gar nicht müssen, denn ab 2011 erhalten Arbeitgeber die Option, ihre Beiträge, Nachweise und Meldungen an eine einzige Krankenkasse zu übergeben. Diese leitet die Beiträge dann an die Träger der Sozialversicherung weiter.

Mehr Transparenz?

Das Bundesgesundheitsministerium verspricht sich vom gemeinsame GKV-Finanztopf vor allem mehr Übersichtlichkeit im Kassen-Dickicht. Der Gedanke dahinter ist simpel, klingt logisch und muss seine Praxistauglichkeit erst noch unter Beweis stellen: Eine Kasse, die gut mit den ihre zugeteilten Geldern umgeht, soll eher in der Lage sein, den Versicherten finanziell entgegenzukommen als eine Kasse, die der Misswirtschaft anheim fällt. Diese müsste nämlich dann einen Zusatzbeitrag von ihren Kunden erheben, was diese wiederum zu einem sofortigen Kassenwechsel berechtigen würde. Dadurch, dass aber den Kassen erheblich mehr Spielräume beim Tarifangebot sowie bei Verträgen mit Ärzten. Krankenhäusern und Pharmafirmen eingeräumt werden, sollten sich möglichst viele Kassen in der ‚guten’ Gruppe wieder finden. Um bei der finanziellen Ausgestaltung des Gesundheitsfonds ganz sicher zu gehen, plant der Bund bereits jetzt schon, ihn 2008 mit 1,5 Mrd. Euro zu unterstützen, in den darauf folgenden Jahren soll die staatliche Zuzahlung weiter kontinuierlich steigen.

Der Zusatzbeitrag

Der Zusatzbeitrag wurde in weiser Voraussicht vom Gesetzgeber gedeckelt: Er darf ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommen nicht übersteigen. Zusatzabgaben bis acht Euro kann die Kasse aber ohne Prüfung des Einkommens erheben. Immer gilt: Sobald extra Zahlungen erforderlich werden, ist die Kasse gezwungen, die Versicherten auf die Möglichkeit des Wechsels der Krankenkasse hinzuweisen. Im Kündigungszeitraum (üblicherweise 2-3 Monate) müsste der Zusatzbeitrag dann nicht gezahlt werden. Grundsätzlich zahlt nur das Mitglied den Extra-Beitrag; Mitversicherte Personen sind ebenso wie Bedürftige davon ausgenommen.

Was bringt der Gesundheitsfonds den Ärzten?

Auch die Mediziner sollen laut den Planungen von der neuen Gesundheitsversicherung profitieren. So wird für alle Vertragsärzte in der gesetzlichen Krankenversicherung eine neue Gebührenordnung eingeführt, die feste Preise innerhalb vorher vereinbarter Leistungsgrenzen vorsieht. Dies soll den Ärzten mehr Planungssicherheit bringen und sie zudem vom Risiko befreien, die zunehmende Behandlungsbedürftigkeit der immer älter werdenden deutschen Bevölkerung alleine zu tragen. Diese ‚Last’ wird durch den Gesundheitsfonds auf die Kassen abgewälzt. Da Ärzteschaft und GKV auch vor der Gesundheitsreform schon nicht die besten Freunde waren, ist davon auszugehen, dass das Verhältnis der beiden auch in den nächsten Jahren nicht von eitel Sonnenschein geprägt sein wird.

Lesen Sie weiter:
Die neue Gesundheitsversicherung
GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz
Wahltarife der neuen Gesundheitsversicherung

2007-04-01 von Martin Schmidt


Bewerten Sie diesen Artikel


RateRateRate - Bewertet: 3.495 auf der Skala 0 bis 5. Dies entspricht einer prozentualen Bewertung von 69.9% bei 1527 abgegebenen Stimmen.


Empfehlen und folgen:


Med-Kolleg bei Twitter












Den Beitrag "" mit Facebook Kommentieren

Weitere Artikel zum Thema Gesundheitsreform:
Gesundheitsreform 2007 beim Gesundheitsblogger...
Gemischtes Echo auf Gesundheitsreform / Kritik von der Pharmaindustrie / Dennoch positive Teilaspekte
AOK für den Wettbewerb gut aufgestellt / Ab 1. April neue Wahlmöglichkeiten durch die Gesundheitsreform
Mehr Bürokratie und Rationierung in den Arztpraxen - Ärzteverbund MEDI Deutschland zum Inkrafttreten der Gesundheitsreform am Sonntag
Gesundheitsreform: ASB begrüßt Erhalt der solidarischen Versicherung / Wohlfahrtsverband sieht allerdings auch weiterhin dringenden Reformbedarf
Deutsche BKK: Wahltarife sind beschlossen / Deutschlands größte Betriebskrankenkasse führt ab Mai 2007 Wahltarife ein
Spitzenverbaende informieren: Neue Zugangsmoeglichkeiten zur gesetzlichen Krankenversicherung / Bisher Nichtversicherte werden (wieder) Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung
Gesundheits- und Altersvorsorge: Neue Ratgeber von Haufe zu den medizinischen Zusatzleistungen und den Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge
Gesetzliche Krankenversicherung GKV vs. Private Krankenversicherung PKV

» Weiterlesen im Gesundheitsmagazin: Alternativmedizin, TCM, Magnetfeldtherapie, Frühjahrsmüdigkeit, Auslandskrankenversicherung und weitere Artikel