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Die neue Gesundheitsversicherung

Eine neue Gesundheitsversicherung für über 80 Millionen Deutsche ist das große Ziel der Gesundheitsreform, die 2007 mit dem Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs zwischen den gesetzlichen Krankenversicherungen begann. In den Jahren 2008, 2009, und 2011 werden nach und nach neue Regelungen eingeführt, so dass davon auszugehen ist, dass die Reform der deutschen Gesundheit in vier Jahren abgeschlossen sein wird. Was sich außer der Umbenennung der Kranken- in die Gesundheitsversicherung noch ändern wird, erfahren Sie auf med-kolleg.de.

Von der GKV in die PKV

Eine der ersten Neuerungen betrifft die Arbeitnehmer, die aufgrund der Höhe ihrer Einkünfte die gesetzliche Kasse verlassen wollen, sich entweder einer privaten Kasse anzuschließen. Dies wird ab sofort erst nach einer Wartezeit von drei Jahren möglich sein, jedoch immer vor-ausgesetzt, dass das Einkommen über der so genannten ‚Jahresentgeltgrenze’ (2007: 47.700€) liegt. Es wird im Rahmen der neuen Versicherung auch nicht mehr möglich sein, ohne Krankenversicherung auszukommen. Diese allgemein gütige Versicherungspflicht wurde vor allem deshalb nötig weil immer mehr Menschen aus finanziellen Gründen aus dem Versi-cherungssystem ausgeschieden waren. So ist für Bürger ohne Krankenversicherung bereits ab Mitte 2007 folgendes vorgesehen: Ehemals gesetzlich Versicherte werden erneut Mitglied ihrer alten Kasse und privat Versicherte kehren zum neuen Standardtarif in die PKV zurück.

Die neuen Wahltarife der Gesundheitsversicherung

Das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz, das die neue Ära in der Gesundheitspolitik einläutete, ist zugleich der Kern der neuen Gesundheitsversicherung. Im Rahmen dieser Neuerung sollen den gesetzlich Versicherten ab 2007 mehr individuelle Tarife angeboten werden. Dabei wird unterschieden zwischen obligatorischen und freiwilligen Wahltarifen. Zu den verpflichtenden Angeboten gehören ab April 2007 zum Beispiel „strukturierte Behandlungsprogramme bei chronischen Krankheiten“ (DMP) oder die bereits erprobte hausarztzentrierte Versorgung, bei der der Hausarzt immer die erste Anlaufstelle für die Patienten ist und entscheidet, welche weiterführenden Maßnahmen ergriffen werden sollen. Die Prämien für Wahltarif-Versicherte dürfen grundsätzlich nicht mehr als 600 € pro Jahr betragen.

Neues bei den privaten Krankenkassen

Bürgerinnen und Bürger, die ehemals privat versichert waren (oder zum Beispiel als Selbstständige üblicherweise gewesen wären), nun aber nicht versichert sind, können sich im neu geschaffenen Standardtarif erneut bei einer privaten Kasse versichern – ohne Risikozuschläge und Leistungssausschlüsse. Wer per gesetzlicher Definition als ‚bedürftig’ gilt, muss nur den halben Betragssatz zahlen, sollte auch dies noch zu viel sein, sind Zuschüsse vom Grundsicherungssamt zu erwarten. Wichtig ist zudem, dass der Standardtarif ansonsten nur Personen offen steht, die entweder das 65. Lebensjahr erreicht haben oder mindestens 55 Jahre alt sind, nicht mehr als 47700€ im Jahr verdienen und bereits mindestens 10 Jahre privat versichert sind.

Die generelle Versicherungspflicht

Die allgemeine Pflichtversicherung gilt sowohl für gesetzliche als auch für private Kassen – mit leichteren Wechselmöglichkeiten innerhalb der gesetzlichen Kassen. Neu bei der PKV ist, dass der Standardtarif nun Basistarif heißen wird. Er wird auch Menschen mit Vorerkrankungen eine private Krankenversicherung ermöglichen; unter der Bedingung, dass man aus „Gründen seines beruflichen Status der privaten Krankenversicherung zuzuordnen ist.“ – es sollte also nicht unbedingt auf 400-Euro-Basis gearbeitet werden.

Wer bisher freiwillig gesetzlich versichert war und seine Beiträge zwei Monate lang nicht zahlen konnte, wurde normalerweise von der GKV ausgeschlossen. Das wird nicht mehr möglich sein. Wer nicht zahlt, für den ruhen die normalen Leistungen während die Kasse ein Inkassoverfahren einleitet. Wer jedoch mutwillig nicht zahlt, der erhält nur noch unaufschiebbare Leistungen, etwa bei akuten Krankheiten, sowie bei Schwangerschaft. Sozialklauseln sollen garantieren, dass niemand durch die Beiträge überlastet wird.

Der Gesundheitsfonds

Ab Januar 2009 gleicht sich die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung den übrigen Zweigen der Sozialversicherung an: Es gilt der gleiche Beitragssatz für alle Bei-tragszahler. Ziel des Gesundheitsfonds ist es, dass die Kassen ihre Kunden vermehrt über finanzielle Vergünstigungen wie z.B. Beitragsrückerstattungen werben sollen und nicht mit zum Teil erheblichen Beitragsunterschieden wie es bisher der Fall war. Der Beitrag wird vom Gesetzgeber festgelegt werden und ist zur Zeit noch nicht bekannt. Sollte eine Kasse mit dem aus dem Fonds zugewiesenen Geld nicht auskommen, darf sie einen Zusatzbeitrag erheben. Der darf jedoch ein Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen des Mitgliedes nicht über-schreiten. Zudem haben die Versicherten, sobald sie von der Erhebung des Zusatzbeitrages informiert worden sind, die Möglichkeit, die Kasse zu wechseln.

Lesen Sie weiter:
Gesundheitsfonds
GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz
Wahltarife der neuen Gesundheitsversicherung

2007-04-01 von Martin Schmidt


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