News vom 09.01.2019 - 14:25 Uhr

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Bei der Finanzierung der Weiterbildung muss nachgebessert werden / Das BMG hat am 03.01.2019 einen Referentenentwurf zur Reform der Psychotherapeut*innenausbildung vorgelegt

Tübingen (ots) - Presseinformation der DGVT und des DGVT-Berufsverbands.

Ein zentraler Anlass für die Reform war die unsichere und prekäre Beschäftigungssituation der Psychotherapeut*innen in Ausbildung. So ist ein Ziel des aktuellen Entwurfs, den "Zugang zum Beruf der Psychotherapeutin und des Psychotherapeuten einheitlicher, gerechter und noch attraktiver" zu gestalten. Die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) sieht allerdings in einer ersten Einschätzung dieses Ziel insbesondere bei der ambulanten Weiterbildung als nicht erreicht an. In der vorgelegten Form bleibt der Entwurf die Antwort auf die finanzielle Belastung der angehenden Psychotherapeut*innen durch "Schulgeld" schuldig. Nur durch eine ausreichende Finanzierung der Weiterbildung kann sichergestellt werden, dass zukünftige Weiterbildungsteilnehmer*innen angemessen vergütet werden können und sie die Kosten für ihre Weiterbildung nicht selbst tragen müssen.

Die DGVT als größter deutscher Psychotherapie-Fachverband zeigt sich erleichtert, dass das Ministerium seine Ankündigung nun hat Realität werden lassen und zum Jahresbeginn einen Referentenentwurf zur Reformierung der Psychotherapeut*innenausbildung vorgelegt hat. Die DGVT begrüßt, dass das Gesundheitsministerium die große Bedeutung der Psychotherapie in der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen anerkennt. Dass darüber hinaus der Beitrag von Psychotherapeut*innen zur "Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung" durch Beratung, Prävention und Rehabilitation anerkannt wird, kommt zentralen Vorstellungen der DGVT entgegen. Auch, dass das BMG in Bezug auf die Psychotherapeutenausbildung den notwendigen Nachwuchsbedarf in der von der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) errechneten Höhe anerkennt, wird positiv bewertet. Außerdem wird die Bereitschaft des BMG begrüßt, die sozialrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, um die bewährte hohe Ausbildungsqualität an den heutigen staatlich anerkannten Ausbildungsstätten in eine zukünftige Qualifizierung im Rahmen von Weiterbildung zu überführen.

Allerdings ist bedauerlich, dass das BMG die Expertisen der Bundespsychotherapeutenkammer und des Deutschen Psychotherapeutentags in anderen wesentlichen Punkten nicht berücksichtigt hat. Wie ein umfangreiches Gutachten der BPtK belegt, werden die vom BMG vorgelegten Finanzierungsgrundlagen nicht ausreichen, um eine qualitativ hochstehende Weiterbildung, bei angemessener Bezahlung für die Weiterbildungsteilnehmer*innen, die wichtige Versorgungsleistungen erbringen sollen, tragfähig organisieren zu können (vgl. https://www.bptk.de/uploads/media/EsFoMed_Bericht_0317.pdf).

Als bundesweit größter Träger von Psychotherapeutenausbildungen in Deutschland sieht die DGVT eine Weiterbildung in der nun vorgestellten Form als nicht realisierbar an. Um eine qualitativ hochwertige Weiterbildung zu gewährleisten, muss der Bundesgesetzgeber unbedingt auch zusätzliche Finanzierungsgrundlagen für die notwendigen ambulanten Weiterbildungsleistungen schaffen. Ein zentrales Reformziel würde verfehlt, müssten auch zukünftige Weiterbildungsteilnehmer*innen für die Finanzierung ihrer Weiterbildung selbst aufkommen. An dieser Stelle muss der Referentenentwurf zwingend nachgebessert werden. Darüber hinaus müssen beim Weiterbildungsteil Übergangslösungen für die Bezahlung heutiger PiAs geschaffen werden, damit insbesondere in den Kliniken nicht noch für viele Jahre eine ungerechte Ungleichbehandlung aufrechterhalten bleibt.

Bedauerlich ist zudem, dass das BMG in der Konzeption des Psychotherapiestudiums, welches zur Zulassung für eine selbstständige und eigenverantwortliche heilkundliche Tätigkeit (Approbation) führen soll, den vielfältigen fachlichen Forderungen von Seiten des Berufsstandes nach Ausweitung der praktischen Ausbildungszeiten nicht gefolgt ist. Insbesondere wird das Fehlen eines zusätzlichen Praxissemesters bemängelt. Gerade weil das Studium zukünftig neben der Behandlung von Erwachsenen auch zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen befähigen soll, ist nach Einschätzung der DGVT zur Sicherung einer vertretbaren Versorgungsqualität der Bevölkerung- wie in anderen Heilberufen - eine intensive Ausbildung an Patient*innen aller Altersgruppen unbedingt erforderlich. Und schließlich ist im Rahmen einer Approbationsordnung, welche noch erlassen werden muss, bei der Ausformulierung der inhaltlichen Anforderungen an zukünftige Psychotherapiestudiengänge der Kompetenzerwerb zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen noch zu einem gleichberechtigten Ausbildungsbereich auszubauen.

Die DGVT begrüßt die Einladung des Bundesministeriums für Gesundheit an die Verbände, den Referentenentwurf in Stellungnahmen zu bewerten. Dabei sind im Rahmen des nun folgenden politischen Diskussionsprozesses die notwendigen Anpassungen unbedingt vorzunehmen. Die DGVT bereitet eine ausführliche Stellungnahme vor. Diese soll Ende Januar vorliegen und beinhaltet eine detaillierte Würdigung des Referentenentwurfs.

Die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) ist mit über 9000 Mitgliedern der größte Fachverband für Verhaltenstherapie in Deutschland. Der DGVT-Berufsverband vertritt die beruflichen Interessen von derzeit 6000 Mitgliedern. Die DGVT unterhält über eine gemeinnützige GmbH bundesweit an 19 Standorten Ausbildungszentren, in denen derzeit über 2500 junge Kolleg*innen in Verhaltenstherapie ausgebildet werden. Sie ist damit der bundesweit größte Träger von Psychotherapie-Ausbildungsstätten in Deutschland.

Pressekontakt: Anfragen von Medien bitte an: Günter Ruggaber, Ruggaber@dgvt.de, 07071/943444

Original-Content von: DGVT-BV, übermittelt durch news aktuell

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Stichwöter zu diesem Artikel: Bildung,Gesundheit,Psychologie,Beruf,Gesundheitspolitik.


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